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  Projekt Sonnenblume.- Ethiopia Help

Eine Schule für Menjikso Tade

  2009 ging die Weihnachtsspende der Stiftung Partner für Schule NRW nach Menjikso Tade in Äthiopien an das Projekt Sonnenblume.-Ethiopia Help.

Die Privatinitiative des Äthiopiers Erdaw Miko und der Deutschen Marcella Müller baut eine Schule in dem Dorf Menjikso Tade. Marcella Müller brachte nach Weihnachten die Spende persönlich hin. Hier berichtet sie, wie mit den Spenden die Schule fertig gestellt wurde und vom nächsten Sonnenblume-Projekt „Ein Brunnen für Menjikso Tade“.

Die Woche in Äthiopien war ereignisreich: Erschreckende Lebensbedingungen, wunderschöne Landschaften, angenehme Menschen, und wir konnten genug Baumaterial und Möbel kaufen, um die Schule in dem kleinen äthiopischen Dorf Menjikso Tade fertig zu stellen.

Die Dorfbewohner bereiten uns eine großartige Begrüßung, überall da wo wir auftauchten, kamen viele Menschen zusammen.
…aber der Reihe nach:

Tag 1.
Unsere Reise beginnt am 24. Dezember 2009 am frühen Morgen im verschneiten Düsseldorf. Nach einem Umstieg in Amsterdam und einem Zwischenstopp im Sudan erreichen wir, Eddy, Sandra, Lisa und Marcella um 22 Uhr Ortszeit die Hauptstadt Addis Abeba.
 

Eddy ist gebürtiger Äthiopier und unser Verbindungsmann zu den Menschen vor Ort. Sein Bruder Dejene holt uns am Flughafen ab und bringt uns in unser Hotel.

Tag 2.
Äthiopien ist berühmt für seinen Kaffee. Gespannt erwarten wir die erste Kaffeezeremonie bei Eddys Freundin Atsede. Anschließend essen wir nur noch. Es gibt Mittagessen bei Eddys Schwägerin und Abendessen bei seiner Schwester.

  Die Familie lebt in den Randbezirken von Addis Abeba auf einem Berg. Richtige Straßen gibt es hier nicht. Das Taxi keucht mühsam die Steigungen hinauf.

Es sind ärmliche Verhältnisse. Hier gibt es zwar Strom und einen Wasseranschluss, aber weder Bad noch Toilette im Haus. Addis Adeba ist groß und laut, moderne Bürogebäude wechseln sich mit Baracken ab, ein offener Viehmarkt liegt zwischen Restaurants und geschichtsträchtigen Monumenten.

Wir nutzen unsere Zeit zwischendurch, um uns nach den Preisen für das benötigte Baumaterial zu erkundigen, um später auf dem Land vergleichen zu können.

Tag 3.
Morgens geht es gegen sechs Uhr morgens in Richtung Menjikso Tade. Wir warten am Straßenrand auf einen Bus und quetschen uns mit viel zu vielen Menschen hinein. Nach einstündiger Fahrt wechseln wir den Bus und fahren weiter nach Chaffee Dunsa, dem Ort, in dem Eddys Bruder wohnt und bei dem wir übernachten werden. Von diesem Ort sind es dann noch mal rund 20 Kilometer bis zu unserem eigentlichen Ziel, dem Dorf Menjikso Tade.



Heute ist Markt in Chaffee Dunsa, Viehhändler und Getreideverkäufer sind von überall angereist. Der Bürgermeister begrüßt uns und wir machen mit ihm einen Rundgang durch den Ort. Wir kommen uns vor wie Berühmtheiten, denn eine riesige Menschenmenge drängt sich um uns, so dass wir kaum vorwärts kommen.

  Jemand sagt, dass an diesem Ort vorher noch keine weißen Menschen gewesen seien. Viele starren uns an, manche gucken ängstlich, andere wollen uns anfassen, die meisten aber lachen. Trotzdem ist die Situation ganz schön bizarr.

Wir ziehen uns mit dem Bürgermeister in sein Büro zurück und besprechen die weiteren Schritte. Im Bürgermeister Lemma Haile haben wir einen Unterstützer. Am Abend sind wir wieder in Dejenes Haus. Hier versammelt sich die Nachbarschaft, wir essen, trinken selbstgebrannten Schnaps, machen die ersten Sprachversuche in Amharisch, hören äthiopische Musik und tanzen.

Tag 4.
Am Sonntag fahren wir ins Dorf Menjikso Tade. Bürgermeister Lemma Haile hat sich bereit erklärt, uns mit seinem Auto dorthin zu bringen. Wir sind alle froh, nicht reiten zu müssen, denn wir haben keinerlei Reiterfahrung und die Pferde sehen wild aus. Die Landschaft ist wunderschön.

Der Weg ist zerklüftet und beschwerlich. Als wir uns dem Dorf nähern, laufen uns die Männer des Dorfes entgegen und begleiten unsere Fahrt mit traditionellem Gesang.
 



Und dann kommen alle Schüler des Dorfes in ihren Schuluniformen und klatschen und singen. Eddy und ich können uns nicht mehr halten, wir heulen los. Nach so viel harter Arbeit diese Kinder zu sehen, ist einfach unbeschreiblich schön.

  Ein toller Empfang: Die Kinder singen, kreisen uns ein, feiern unsere Ankunft. Eddy tanzt mit den Männern den Stammestanz. Wir sind überwältigt. Dann werden wir vor die Schule geführt. Eine Überraschung erwartet uns: Von dem Geld, das wir im Sommer geschickt haben, konnte nicht nur das Dach gedeckt werden, sondern auch der Einbau der Fenster und Türen ist schon viel weiter als erwartet.

Nun findet eine große Willkommens- und Dankes-Zeremonie vor der Schule statt. Das ganze Dorf ist versammelt. Die Schüler tragen selbstgeschriebene Gedichte vor, es werden Lieder gesungen, Theaterstücke gespielt. Die Dorfältesten, der Pfarrer, der Bürgermeister – alle halten Lobreden auf unser Engagement.

Das Ganze dauert über zwei Stunden. Ein Ochse wurde zu unseren Ehren geschlachtet, das Festmahl schmeckt dem ganzen Dorf. Wir schauen uns die Baustelle an, spielen mit den Kindern Frisbee und besuchen Eddys Eltern.

Die Armut und die schwierigen Verhältnisse sind auch hier nicht zu übersehen. Doch was uns schockiert ist die Wassersituation.

Es gibt außerhalb des Dorfes eine Quelle, die nicht mehr ist als ein Schlammloch, um das das Vieh weidet. Wir sind sprachlos. So schlimm hatte sich keiner die Situation vorgestellt.
Vor zwei Wochen ist in diesem Dorf ein Kind durch verunreinigtes Wasser gestorben. Das nächste Projekt nimmt in unseren Köpfen schon Gestalt an: Ein richtiger Brunnen würde die Situation der Menschen hier enorm verbessern. Wir erkundigen uns. Das ist leider sehr viel teurer als der Schulbau: 50 000 Euro müssten zusammenkommen.
 

Tag 5.
Die meisten Menschen in Äthiopien gehören der orthodoxen Kirche an. Am Montag ist ein Feiertag, deshalb findet in der Kirche eine feierliche Zeremonie statt.

  Als uns der Pfarrer entdeckt, müssen wir Ehrenplätze zwischen den vielen Priestern einnehmen. Die Kirche sammelt für ein Projekt im Dorf, ein neuer Kindergarten soll gebaut werden.

Auch wir steuern etwas bei. Dann müssen wir vor das versammelte Dorf treten und werden schon wieder für unser Engagement geehrt. Wir stehen auf einem Podest vor der Kirche, das ganze Dorf schaut uns mit großen Augen an. Emotional kaum auszuhalten. Ich spreche meinen einzigen Satz in Amharisch: Ethiopia tesmamtognial - Ich liebe Ähtiopien- und sorge für Begeisterung.

Zwischen den verschiedenen Essenseinladungen, die heftigste war eine Einladung zum Frühstück, bei dem es schon morgens um acht Schnaps zu trinken gab, finden wir immer wieder Zeit, um uns mit für uns wichtigen Menschen zu unterhalten: Bürgermeister, Mitarbeiter des Schulministeriums, Priester, Dorfschullehrer, Architekten, Bauarbeiter, Baustoffhändler. Alle versprechen uns ihre Unterstützung bei der Umsetzung unseres Vorhabens und übernehmen auch Verantwortung während unserer Abwesenheit.

Tag 6.
Am nächsten Tag fahren wir in die nächste größere Stadt, um die noch fehlenden Materialien für die Fertigstellung der Dorfschule zu kaufen. Wir hoffen, dass alles gerade lieferbar ist. Die Zuverlässigkeit der Lieferanten schwankt hier von Tag zu Tag. Ebenso können die Preise stark variieren. Aber wir haben Glück. Wir können Zement, Holz und Farbe kaufen, noch am selben Tag wird es nach Chaffee Dunsa gebracht.Wir haben gut kalkuliert, das Geld reicht für den Kauf sowie den Transport. Außerdem können wir davon auch noch die Arbeiter bezahlen, die an der Schule arbeiten.
 

Wir sind zufrieden, auch wenn in Äthiopien Geschäftsverhandlungen sich manchmal ganz schön in die Länge ziehen können. Hier hat man Zeit und es gibt keinen Feierabend, über den Zementpreis haben wir noch um 21 Uhr abends im Dorfcafé verhandelt.

  Aber das Wichtigste: wir haben alles erledigt.

Auch die Schulbänke für alle vier Klassenzimmer sind beauftragt, dank der Spende der Stiftung Partner für Schule NRW. Der Betrieb in der Schule in Menjikso Tade kann bald losgehen.

Im Kopf haben wir jetzt schon das nächste Sonnenblume.-Ethiopia Help-Projekt: „Ein Brunnen für Menjikso Tade“. Wir schließen erste Kontakte mit Fachleuten vor Ort von der Welthungerhilfe und Ingenieure ohne Grenzen.


Eines haben wir in Äthiopien gelernt:
Kleine Schritte sind für die Verbesserung des Lebens der Menschen in Menjikso Tade entscheidend.

Denn die kleinen Sterne scheinen immer, während die große Sonne oft untergeht.
(Äthiopisches Sprichwort)


Wenn auch Sie sich für das Projekt Sonnenblume und die Kinder von Menjikso Tade engagieren möchten, informieren Sie sich bitte auf der Homepage www.ethiopia-help.org



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