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Info kompakt
Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."
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Partnerschaft des Monats September 2010
Die langfristige Betreuung ihrer Schülerfirma durch die Kommunikationsagentur Steuerung B haben sie sich in einem Wettbewerb mit mehreren Schulen erkämpft – die 15 Schülerinnen und Schüler des Bochumer Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums. Für das Unternehmen ist der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern ein Rendez-vous mit der Zukunft. Und für die Gymnasiasten ein Abstecher in die Kreativwirtschaft.
Plötzlich öffnet sich die Tür zum Klassenzimmer. Unbekannte dringen in den Raum des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums (HvK) in Bochum-Gerthe. Einer schiebt einen Staubsauger vor sich her, der Zweite reißt das Fenster auf, um frische Luft hereinzulassen. Der Dritte zeichnet die Umrisse eines Internetbrowsers an die Tafel und stellt ein rotes B davor. Als wollten die Fremden den Unterricht einmal gründlich entstauben. „Was ist denn hier los?“, fragt sich der 18-jährige Gymnasiast, Lukas Hinrichs. Viele Mitschülerinnen und -schüler reagieren überrascht, manche erschrocken. Endlich geben sich die Fremden zu erkennen.
„Wir sind von Steuerung B“, erläutern Henning F. Mettge, Niki Slawinski und Oliver Stopienski von der Kommunikationsagentur in Bochum. Die beiden Geschäftsführer und der Marketingexperte erklären, warum sie die Schülerinnen und Schüler mir nichts, dir nichts in die Wirtschaftswelt eingetaucht haben. In einer Kommunikationsagentur sei es die wichtigste Aufgabe, Aufmerksamkeit zu erlangen – für Unternehmen, Produkte, Dienstleistungen oder Personen. Der Sketch in der ersten Schulstunde diente dazu, die AIDA-Formel im Schnellverfahren vorzuführen. AIDA steht für: Attention, Interest, Desire, Action. Hersteller und Werbeagenturen orientieren sich an der Formel, um Kunden auf ihre Produkte aufmerksam zu machen und sie zum Kauf zu veranlassen. Rund 50 Schülerinnen und Schüler lockt die Agentur mit AIDA schließlich zu einem gemeinsamen Treffen zum Projekt „Schülerfirma“. Stefanie Sander, 18 Jahre, gibt zu: „Ich wollte die Leute kennen lernen.“
Schülerfirma: die Bewährungsprobe
Was will die Kommunikationsagentur? Neue Wege der Partnerschaft zwischen Schule und Unternehmen beschreiten, Talente im Zuge der Gründung einer Schülerfirma entdecken und betreuen. Laut dem Geschäftsführer Mettge mangelte es Steuerung B bisher zwar nicht an Aspiranten und schriftlichen Bewerbungen. Doch vielen Schreiben merke man an, dass sie lustlos aufgesetzt seien. Selbst mit Stellenanzeigen in Schülerzeitungen und einem eigenen Kanal bei der Videoplattform You-Tube mit Recruiting-Videos sei es der Agentur nicht gelungen, geeignete Fachkräfte anzuwerben.
Die Lösung: frühzeitig unmittelbare Kontakte zu passenden Bewerbern herstellen. Der Weg: Ein Wettbewerb für die zehnten bis zwölften Jahrgangsstufen an weiterführenden Schulen. Das Kooperationsnetzwerk Schule-Wirtschaft (KSW) in Bochum/Herne wurde gebeten, den Wettbewerb auszuschreiben und bekannt zu machen. Der Preis: ein einjähriges Tutorium, das wöchentlich – in der Regel vom Geschäftsführer selbst – im Rahmen einer schulischen AG abgehalten würde mit dem Ziel, eine Schülerfirma zu gründen, die Aufträge von echten Kunden ausführt. Das Kooperationsnetzwerk schrieb alle weiterführenden Schulen in Bochum an. „Von der Partnerschaft zu einer Schülerfirma profitieren beide Seiten. Man lernt sich kennen und kann frühzeitig abschätzen, ob man zueinander passt“, erläutert Mettge den Nutzen. Die Partnerschaft ist für die Dauer von einem Jahr angelegt.
In die Endausscheidung kommen ein weiteres Bochumer Gymnasium und die Heinrich-von-Kleist-Schule. An beiden Schulen stellte sich das Team der Agentur mit dem Sketch allen Klassen vor. Dann sind die Oberstufenschülerinnen und -schüler an der Reihe. Sie müssen innerhalb nur einer Woche nach dem Besuch der Agentur das Konzept für ihre Schülerfirma präsentieren. Sie sollen den Profis beweisen, wie motiviert und kreativ sie sind, wie sie zusammenarbeiten, wie vernetzt sie sind und mit welchen Medien sie ihre Botschaften vermitteln. Nach der Präsentation – einem Sketch, einer Fotostory und einem Videofilm – werden die Finalisten zu Einzelgesprächen mit Mitarbeitern von Steuerung B geladen. Durchgesetzt hat sich schließlich das Heinrich-von-Kleist-Gymnasium. Der Name der Schülerfirma lautet „Richtungswechsel“: „Ihr wart physisch präsent, humorvoll und ich habe bei euch insgesamt am meisten Potenzial gesehen“ erklärt Mettge.
Nachwuchsarbeit ist Chefsache
Eine Kooperationsvereinbarung zwischen Unternehmen und Gymnasium legt die Grundzüge der Zusammenarbeit fest. Steuerung B soll danach etwa organisatorische, soziale und kreative Kompetenzen der Agenturmitglieder weiterentwickeln. Seit August 2009 besucht der Geschäftsführer oder sein Vertreter regelmäßig die Schule, um im Rahmen der wöchentlichen Treffen den Schülerinnen und Schülern die unterschiedlichen Aspekte der Kommunikation darzulegen. „Für mich als Geschäftsführer ist es zwar ein Luxus in die Schulen zu gehen, aber es macht Spaß zu sehen, wie das Wissen aufgenommen wird“, sagt Mettge. In den Workshops habe er den Schülerinnen und Schülern Hilfestellung gegeben, sich innerhalb der Schülerfirma je nach Neigung und Talent in einzelne Abteilungen zu gliedern. Richtungswechsel besteht aus Redaktion, Design, Multimedia, Projektmanagement/Teamleitung und Buchhaltung.
Die Abteilungsleiter der Schülerfirma sind in ihre Position teils demokratisch gewählt, teils von Steuerung B vorgeschlagen worden. Unterschiede im Rang haben Spuren in den Beziehungen zwischen Schülerinnen und Schülern hinterlassen. Schließlich muss man doch als Abteilungsleiter auch unpopuläre Entscheidungen vertreten: „Klar, dass der Spaß vorbei ist, wenn einer nicht zum verabredeten Treffen kommt“, sagt Lukas. Da ergeht es der Schulagentur so wie der professionellen: „Bei Steuerung B pflegen wir einen freundschaftliches Verhältnis. Wird aber ein Projekt nicht rechtzeitig fertig, schlagen wir schon mal einen anderen Ton an“, erklärt Mettge. Der Agenturchef sieht sich als „Teammitglied mit besonderer Verantwortung“. Die Steuerung B-Beschäftigten sind mit den Schülerinnen und Schülern per Du.
Unternehmen: brauchen Rückendeckung der Schulleitung
Die Schülerfirma Richtungswechsel bietet Events, PR und Design für kommunale Einrichtungen, Vereine und Schulen. Der Erlös fließt in die Kasse des schulischen Fördervereins. Lukas hat beispielsweise im Auftrag der Universität Bielefeld für Steuerung B bei einer Videokampagne mitgewirkt. „Manche Kunden wollen, dass wir sofort etwas für sie erledigen. Dann arbeiten wir schon mal auch am Samstag“, sagt er.
Das Engagement hat die Jugendlichen weiter gebracht: Stefanie und Lukas konnten in den Sommerferien als freie Mitarbeiter von Steuerung B arbeiten. Sie leiteten dort Projekte, wie den Auftritt der Agentur bei der Riesenveranstaltung „Still-Leben auf der A40“. Auch mit der Schülerfirma wird es weitergehen. Derzeit gibt es Überlegungen, Richtungswechsel mit interessierten Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe elf sowie mit den bestehenden Mitgliedern fortzuführen. Nicht zuletzt, so Mettge, weil die Schülerfirma die volle Rückendeckung der Schulleitung genießt.
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