Unternehmen für Schulen

Vier Jugendliche die köpfe zusammengesteckt, fotografiert von unten, so dass sie ein Kreuz vor dem blauen Himmel bilden

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Titelbild der Wir-wollen-Broschüre Jugendliche mit einem Betreuer um einen Roboterkäfer unter einer starken Lampe

Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."

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Partnerschaft des Monats Dezember 2010

Engel-Attrappen auf dem Kreisverkehr Grünscheid - Stellproben

Die Idee und der Entwurf kommen aus der Hauptschule Ründeroth. Anleitung und technisches Know-how aus der Firma Lukas-Erzett. Am Ende ist die Gemeinde Engelskirchen mit leuchtenden überlebensgroßen Engeln übersät. Neuerdings „beschützen“ die Engel aus der Produktion der Schülerinnen und Schüler sogar den Kreisverkehr vor Engelskirchen. 
 
Sie sind winzig und richtig groß. Es gibt sie als Teelichter, Schlüsselanhänger und Tischfiguren. Sie zieren Häuserfassaden und Geschäfte. In diesem Jahr ist sogar die ganze Hauptstraße von Engelskirchen in der Weihnachtszeit von ihnen erhellt. Sie treten vereinzelt auf und in Gruppen. Seit neuestem bevölkern die Leuchtenden den Kreisverkehr Grünscheid vor Engelkirchen. Selbst gestressten Autofahrern springen sie nun beruhigend ins Auge. Sie haben lokale Berühmtheit erlangt, die Engel. Und ihre Schöpfer, die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Ründeroth in Engelskirchen auch. „Meine Freunde sind eifersüchtig auf unsere Schule“, sagt Mehmet Erboga, 15 Jahre. „Warum geht das nicht bei uns?“, wollten sie wissen.

Die kleinste Engelfigur, der Schlüsselanhänger, ist wenige Zentimeter klein, die größte misst vier Meter, ist aus Stahl gebogen und mit einem leuchtenden Schlauch umgeben: eine Lichterkette in Form eines Engels. Die erste Vorlage für den Engel zeichnete ein Hauptschüler im Religionsunterricht von Josef Gerwing. Ein Kollege, Hans-Jürgen Ott, hatte die Idee, der Zeichnung ein stählernes Kleid zu geben, sie aufleuchten zu lassen und sie in der Weihnachtszeit öffentlich auszustellen. Die großen Engel durften die Schüler donnerstags in der Bauschlosserei Helmenstein unter fachlicher Anleitung selbst biegen.

Doch wie konnte die Engelschar auf dem Kreisverkehr Grünscheid bei Engelskirchen landen? Ein von Künstlern vorgelegter Entwurf zur Verschönerung des Kreisverkehrs in Grünscheid stellte die Firma Lukas-Erzett, Vereinigte Schleif- und Fräswerkzeugfabrik, nicht zufrieden. Genauso wenig die Modelle der Mitarbeiter der Firma, die bei einem firmeninternen Wettbewerb eingereicht wurden. Geschäftsführer Stefan Lukas, bekannt mit Lehrer Ott, bat die Engelwerkstatt der Hauptschule, einen konkreten Vorschlag zu präsentieren.

Engelwerkstatt

Laut dem Schulleiter der Hauptschule Ründeroth in Engelskirchen, Hans Willi Schlimbach, entwickelte Ott gemeinsam mit dem Hausmeister Jörg Gosch einen ersten Entwurf: Buchenhecken sollten auf der Verkehrsinsel gepflanzt werden, die in Wellen geschnitten,  Lebenslinien symbolisieren − das Auf und Ab des menschlichen Lebens. „Jeder kommt mal an den Punkt, wo er einen Schutzengel braucht“, erläutert Hans-Jürgen Ott. Hinter den niedrigen Hecken würden die Macher die bereits stadtbekannten Engel als Schutzmächte aufstellen. „Der Entwurf fand bei der Geschäftsführung der Firma Lukas-Erzett soviel Anklang, dass der Firmenchef entschied, „Auszubildende und Schüler der Hauptschule Ründeroth sollten das Projekt gemeinsam verwirklichen“, so Schulleiter Schlimbach.

Engelwerkstatt: Symbol einer herausragenden Partnerschaft

Der Ausbildungsleiter der Firma Lukas-Erzett, Bernd Triphan, Hans-Jürgen Ott und Jörg Gosch arbeiteten das Modell genauer aus. „Wir haben die Engelfigur mit dem Overhead-Projektor an die Wand geworfen, die projizierte Form auf Pappe von bis zu zweieinhalb Metern Höhe gezeichnet und die Engel anschließend ausgeschnitten und von hinten mit Latten verstärkt“, erklärt Ott. Die Projektmitarbeiter brachten die Attrappen zum Kreisverkehr, probierten verschiedene Stellungen aus, fotografierten die besten und spielten anschließend die unterschiedlichen Wirkungen auf den Betrachter durch. „Die Nachbildung der Engelgruppe auf der Verkehrsinsel im Maßstab 1:1 war ein erster Höhepunkt der Kooperation“, so Schulleiter Schlimbach. Wo immer es möglich war, seien die Hauptschülerinnen und -schüler mit ins Boot geholt worden.

Es folgte die Produktion. Die großen Engel von 1,8 bis 3 Metern wurden aus Stahlplatten ausgelasert. Die Buchstaben aus Edelstahl für die Beschriftung der Engelgruppe bearbeiteten Auszubildende und Schüler gemeinsam. Einige Tage darauf rollte ein Kran an, um die sieben Engel im Kreisel aufzustellen. Zur Einweihung war großer Bahnhof angesagt.

Druck auf den Startknopf zur Einweihung der Engel auf dem Kreisverkehr Grünscheid

Am 9. Dezember 2010 erschienen Bürgermeister, Vertreter des Bauamtes, Unternehmer, Schulleiter, Lehrende, Elternvertreter, Schülerinnen und Schüler sowie die Presse zur Eröffnung. Die Feiergruppe zog im Schneegestöber zum Kreisverkehr. Angekommen stimmte der Lukas-Chor ein Weihnachtslied an. „Vanessa Prison, die Schülersprecherin, ein Auszubildender und Bürgermeister Dr. Gero Karthaus drückten auf den Startknopf“, erzählt der Schulleiter. Zum ersten Mal erstrahlten die Engel mitten im Verkehr in warmem Lichtschein, umgeben von applaudierenden Bürgern und Schneeflocken. „Da stehen jetzt dreieinhalb Tonnen Stahl auf dem Kreisverkehr“, erklärt Ott.

Dichtes Kooperationsgeflecht zum Nutzen der Schüler

Das Engelprojekt wurde möglich aufgrund eines dichten Kooperationsgeflechts. Ohne die Zusammenarbeit von Schülern mit Schülern, Auszubildenden mit Schülern, Hausmeistern mit Lehrenden und Lernenden, Unternehmen und Ämtern mit der Hauptschule, hätte das Weihnachtswerk nicht verwirklicht werden können. In die Partnerschaft fließt technisches, handwerkliches, pädagogisches, geschäftliches und baurechtliches Know-how ein. „Wir brauchen viele Partner, schon um einen guten Vertrieb für die Engel aufzubauen“, sagt Lehrer Ott. Das Engelprojekt, das lange als Schülerfirma geführt wurde, hätte den Schulbetrieb fast zum Erliegen gebracht, meint Ott. Zu groß wurde die Nachfrage. Daher hat sich ein Engelverein e.V. gegründet, bei dem sich die Hauptschüler und sogar ihre Freunde in einer Manufaktur ein kleines Taschengeld außerhalb der Schulzeit dazu verdienen können.

Die Verbindungen der Schule zu den ortsansässigen Unternehmen seien beispielsweise auch deswegen nützlich, weil sie es Ott ermöglichten, Schülerinnen und Schülern zu einer Lehrstelle zu verhelfen. Da er viele Firmen gut kenne, könne er auch schon mal dem einen oder anderen nützliche Tipps für Einstellungstests bei den unterschiedlichen Firmen mit auf dem Weg geben. „Da sind hilfreiche Strukturen entstanden, von denen wir profitieren“, so Ott. Laut dem Schulleiter bewirkt die Kooperation im Engelprojekt außerdem eine Motivationssteigerung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Identifikation mit der Schule, eine erhebliche Steigerung ihrer Sozialkompetenz, Führungsqualitäten; der Anspruch „Öffnung von Schule“ wird hier Realität.  

Nicht nur die christlich erzogenen Schülerinnen und Schüler identifizierten sich mit den Engeln, auch Jugendliche anderer Konfessionen, so Ott. Schließlich werden auch im Islam Engel verehrt. Viele der Jugendlichen, die in der Engelwerkstatt mitarbeiten, seien muslimischen Glaubens. Dazu der 15-jährige Mehmet: „Engel bedeuten mir sehr viel, ja sie sind ein Teil von mir.“ Es gebe ihm ein gutes Gefühl, dass sein Großvater nach seinem Tod bei den Engeln im Himmel sei.