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Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."
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Eine Schülerfirma, viele Partner
Kein Wunschdenken, sondern Wirklichkeit: Die Produktionsabteilung der Schülerfirma „Naschwerk“ von der Realschule Waldbröl wurde durch einen angesehenen Konditormeister geschult – die anderen Abteilungen der Schülerfirma durch eine Krankenversicherung, eine Volksbank, eine Fastfood-Kette, eine Buchhandlung und einen Genossenschaftsverband. Die Online-Redaktion sprach mit Konditormeister Jürgen Triebsch sowie mit den Realschülerinnen und -schülern Petra, Kevin und Christina über den Reiz, Pralinen herzustellen, die Gründung der Schülerfirma und warum so viele außerschulische Partner die Firma unterstützen.
Online-Redaktion: Wie kam es zur Gründung der Schülerfirma Naschwerk?
Petra, Schülerin: Anlässlich unserer Projektwoche „Kulturgeschichte der Schokolade“ haben wir das Kölner Schokoladenmuseum besucht und beschlossen, selbst Pralinen herzustellen. Leider hat das Ergebnis aber nicht so gemundet, wie wir uns das gewünscht haben. Darauf hat Holger Siems, unser Lehrer für Deutsch und Politik, Konditormeister Jürgen Triebsch eingeladen, damit er uns professionell zeigt, wie man richtige Konditorwaren produziert. Die ersten Pralinen, die wir gemeinsam mit Herrn Triebsch herstellten, haben wir zum Verkauf auf dem Elternsprechtag angeboten. Unser Interesse an Konditorwaren nahm sprunghaft zu, weil diesmal die Pralinen gut ankamen.
OR: Welche Rechtsform habt ihr für die Schülerfirma gewählt?
Petra, Schülerin: In einer Klassensitzung haben wir beschlossen, dass wir die Schülerfirma in der Form einer Genossenschaft betreiben, weil dabei alle gleichberechtigt sind – und wir davon ausgehen, dass wir so mit den Behörden weniger Ärger bekommen. Der Genossenschaftsverband bietet zum Beispiel mit Beratung in Rechtsfragen und einer Mustersatzung einen sicheren rechtlichen Rahmen. Anette Sudek von der Stiftung Partner für Schule NRW hat uns bei einem Gründungsworkshop das ABC der Schülerfirma vermittelt. Wir haben sie im Oktober 2008 gegründet und ihr den Namen „Naschwerk“ gegeben.
OR: Warum seid Ihr bei der Gründung von so vielen unterschiedlichen Unternehmen unterstützt worden?
Petra, Schülerin: Die Ausbildung der Abteilungen von "Naschwerk" – Geschäftsführung, Marketing, Buchführung, Sekretariat, Einkauf, Verkauf und Produktion – haben AOK, Volksbank Oberberg, McDonalds, Buchhandlung Haupt sowie der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband übernommen. Ein Unternehmen wäre wohl aus zeitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen, die Abteilungen unserer Schülerfirma auszubilden. Herr Kessler von der AOK steht mit uns auch jetzt noch, lange nach der Schulung, per E-Mail in Kontakt und gibt der Schülerfirma hilfreiche Tipps. Ich habe den Eindruck, dass es für die Unternehmen im Moment chic ist, sich für Schulen zu engagieren.
OR: Welche Rolle hatten Sie beim Aufbau der Schülerkonditorei?
Triebsch, Konditormeister: Die Realschule hat eine eigene Schulküche für Jungen und Mädchen. Die Produktion, das Backen, hat ursprünglich mit 18 Schülerinnen und Schülern angefangen. Doch die AG wurde mir zu unruhig – bei der Verarbeitung von Gebäck kann Unruhe sehr störend sein. Wir wählten darauf hin elf Schülerinnen und Schüler aus, die sorgfältig arbeiteten und den Willen hatten, etwas von mir zu lernen. Der Lehrer, Holger Siems, ist der Auffassung, dass Konditor ein schöner und zukunftsträchtiger Beruf ist. Er wollte, dass die Jugendlichen den Beruf kennen lernen und ihn probeweise ausüben – nicht nur die Produktion, sondern alle Aufgabenbereiche, die zu einer richtigen Firma gehören. Siems bat mich vor drei Jahren, seine Schülerinnen und Schüler in Sachen Schokoladen- und Pralinenherstellung einzuarbeiten. Seitdem bin ich in der Schülerfirma jetzt Ansprechpartner für alles, was die Produktion anbelangt: die Verarbeitung der Rohstoffe, die Dekoration der Pralinen und Torten, die Verpackungen.
OR: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Schülerfirma mittlerweile insgesamt? Wie kann man bei der Schülerfirma mitmachen?
Kevin, Schüler: Derzeit besteht die Schülerfirma aus 27 Schülerinnen und Schülern, überwiegend der zehnten Stufe. Wir haben uns darauf geeinigt, dass sich alle, die bei der Schülerfirma mitarbeiten wollen, ganz klassisch bewerben sollen.
OR: Wer hat die Bewerbungsgespräche durchgeführt und die Mitarbeiter ausgewählt?
Petra, Schülerin: Das war unsere Aufgabe, die Funktion des Vorstands.
OR: Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Abteilungen?
Christina, Schülerin: Als Abteilungsleiterin für die Produktion bin ich für sieben Schülerinnen und Schüler zuständig. Ich verteile die Arbeiten, beispielsweise die Herstellung von Pralinen oder Schokocrossies und achte darauf, dass alle Arbeiten erledigt werden. Außerdem kümmere ich mich darum, dass die Arbeiten gerecht verteilt werden und kontrolliere das Arbeitsergebnis. Wir verkaufen die Waren beispielsweise zu Weihnachten bei der Volksbank Oberberg, die als unser Partner die Abteilung „Sekretariat“ ausgebildet hat. Die Buchhaltung wurde übrigens vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband geschult.
OR: Welche Bedeutung messen Sie der Schülerfirma für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler bei?
Siems, Lehrer: Die Schülerinnen und Schüler erwerben sowohl im Deutschunterricht als auch durch den Betrieb der Schülerfirma Kernkompetenzen. Sie lernen, sich deutlich zu artikulieren, ihre Argumente auf den Punkt zu bringen und zuzuhören. In Rollenspielen bereiten wir sie auf ihre Aufgaben in der Schülerfirma vor. Das ist Training für jedes Vorstellungsgespräch.
OR: Wie erlebt ihr Jürgen Triebsch bei der Zusammenarbeit? Welche Erfahrungen habt ihr mit ihm gemacht?
Kevin, Schüler: Herr Triebsch ist sehr aufgeschlossen, er hat uns sehr viel beigebracht und uns nie gehetzt. Er hat uns zum Beispiel gezeigt, wie wichtig die richtige Temperatur bei der Verarbeitung der Schokolade ist: Zu kalte Schokolade kann man nicht richtig weiterverarbeiten, zu heiße kriegt hässliche weiße Flecken. So kann die Schokolade nicht verkauft werden und muss entsorgt werden.
OR: Wie oft treffen Sie sich, um die Schülerfirma am Laufen zu halten?
Triebsch: Immer dann, wenn Holger Siems mich anruft und um Hilfe bittet – etwa zwei bis dreimal im Jahr. Wir legen auch schon mal eine Pause bei der Partnerschaft ein: Im Frühling und Sommer gehen Pralinen nicht so gut weg.
Kevin, Schüler: Wir treffen uns als Schülerfirma einmal in der Woche für zwei Stunden.
OR: Wie erleben Sie die Jugendlichen in der Partnerschaft?
Triebsch, Konditormeister: Die Jugendlichen sind stets arbeitsfreudig, sauber und haben sehr folgsam gearbeitet. Die Mädchen und Jungen haben Angst, etwas falsch zu machen. Deswegen versuche ich den jungen Leuten Vertrauen zu geben und bin bei ihnen, damit alles klappt. In der Produktion erfahren sie, was sie alles schaffen können.
OR: Was bringt Ihnen, Herr Triebsch, die Partnerschaft mit der Schülerfirma?
Triebsch, Konditormeister: Sie ist in erster Linie Werbung für die Realschule. Ich wurde schon von vielen Menschen in der Stadt darauf angesprochen, dass ich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Firma „Naschwerk“ unterstütze. Ich brauche die Werbung nicht mehr für mich persönlich: ich bin ja jetzt Rentner. Es wäre schön, wenn die Jugendlichen später einmal sagen würden: „Das Jahr 2007 war die Zeit, als uns der Jürgen Triebsch die Faszination des Konditorhandwerks nahe gebracht hat.“ Ich empfinde eine innere Befriedigung dabei, den Jugendlichen zu zeigen, was man im Leben erreichen kann. Es ist, als setzte man einen Grundstein für die Zukunft.
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