Projektförderer
Info kompakt
Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."
[herunterladen]
Der Königsweg zur Ausbildungsreife
Angesichts der Globalisierung ist die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen die größte Herausforderung. Unternehmen benötigen bestens augebildete Fach- und Führungskräfte. Doch die Ausbildungsreife der Jugendlichen lässt zu wünschen übrig. Für Swen Binner, 47 Jahre, Geschäftsführer Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, ist eine auf Dauer angelegte Partnerschaft zwischen Unternehmen und Schule der Königsweg zur beruflichen Reife. Swen Binner erläutert, wie das in der Praxis funktioniert.
Online-Redaktion: Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Unternehmen vor neue Herausforderungen gestellt. Wie wirkt sich die gegenwärtige wirtschaftliche Stimmung auf die Schulen im Bereich der IHK Ostwestfalen aus?
Binner: Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat einige Unternehmen aus unserer Region verunsichert. Und wir haben festgestellt – das war auch für uns überraschend –, dass die Bewerberzahlen deutlich rückläufig waren. Im Jahr 2009 sind sie um elf Prozent gesunken. Das entsprach nicht dem Rückgang, der durch nachlassende Schülerzahlen zu erwarten war. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat also nicht nur Unternehmen, sondern auch Bewerber verunsichert.
OR: Worin sehen Sie derzeit die größte Herausforderung für die Zukunft?
Binner: Die größte Herausforderung ist weiterhin die Berufsvorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf der einen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf der anderen Seite. Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit wird nicht zuletzt durch qualifizierte Fach- und Führungskräfte gewährleistet. Insbesondere muss an der Ausbildungsreife der Jugendlichen gearbeitet werden. Der Königsweg der Berufsvorbereitung ist es, Wirtschaft und Schulen zusammenzubringen. Die IHK Ostwestfalen hat damit schon vor acht Jahren begonnen. Aber auf diesem Feld haben wir noch sehr viel Arbeit vor uns.
OR: Warum fördert die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen eigentlich Partnerschaften zwischen Schule und Wirtschaft? Wie sieht die Unterstützung konkret aus?
Binner: In den Partnerschaften wird das Verständnis von Schulen und Wirtschaft füreinander wechselseitig erhöht. Schülerinnen und Schüler können sich damit besser auf ihr Berufs- und Arbeitsleben vorbereiten. Die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld hat bereits 137 Partnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen gestiftet. Über 70 Prozent der Schulen in der Gesamtregion Ostwestfalen-Lippe sind mit Partnerschaften versorgt. Damit liegen wir in Nordrhein-Westfalen über dem Durchschnitt. Und wir wollen diesen Weg weitergehen. Dazu haben wir uns mit einer Mitarbeiterin verstärkt, deren Aufgabe es ist, Schulen gezielt anzusprechen und für Partnerschaften zu werben. Wir möchten, dass die Partnerschaften langlebig sind, am besten über Jahrzehnte laufen und neue Ideen und Projekte hervorbringen. Um Kooperationen vorzubereiten, benötigen wir in einzelnen Fällen ein drei Viertel Jahr. Wir wollen nicht in kurzer Zeit viele Partnerschaften stiften. Vielmehr wollen wir in kurzer Zeit möglichst viele NACHHALTIGE Partnerschaften stiften.
Ein weiteres Angebot der IHKn zur Verbesserung der Berufsvorbereitung ist beispielsweise das Faltblatt „Was erwartet die Wirtschaft von den Schulabgängern?“, das wir auf Landesebene gemeinsam mit Lehrern entwickelt haben. Weitere Publikationen sind ein Faltblatt mit einer Übersicht über neue Ausbildungsberufe sowie ein Ausbildungsatlas, der im Regelfall von den IHKn regional für den eigenen IHK-Bezirk herausgegeben wird. Zu nennen ist auch die IHK-Lehrstellenbörse, die aktuelle Ausbildungsstelleneinträge sowie Ausbildungsstellengesuche von Bewerbern enthält.
OR: Welche Schulformen sind beteiligt?
Binner: Alle Schulformen sind im Gebiet der IHK Ostwestfalen vertreten. Einen besonderen Fokus legen wir dabei auf die Hauptschulen.
OR: Für Förderschulen ist es besonders schwierig, Kooperationspartner zu gewinnen. Welche Erfahrungen haben Sie mit Förderschulen gemacht?
Binner: Ich habe selbst einmal einige Unterrichtsstunden einer Förderschule beobachtet. Ich wollte wissen, worüber ich mit den Unternehmen eigentlich spreche. Daraufhin haben wir festgestellt, dass man den Förderschulen andere Angebote als den übrigen Schulformen unterbreiten muss. Für Förderschulen empfiehlt es sich, nicht direkt eine Partnerschaft mit einem Betrieb anzupeilen. In psychologischer und sozialpädagogischer Hinsicht sind nämlich einzelne Unternehmen mit einer langfristigen Partnerschaft mit Förderschulen überfordert. Aus diesem Grund arbeiten wir auf der Grundlage eines Bausteinmodells zusammen. Unternehmen können dann mit Förderschulen zusammenarbeiten, wenn es sich um bestimmte Aspekte handelt.
OR: Was macht für Sie eine gute Partnerschaft zwischen einem Unternehmen und einer Schule aus?
Binner: Der wichtigste Punkt: Beide Partner müssen sich darin wieder finden. Jede Partnerschaft ist individuell. Beide Seiten müssen auch Interesse und Engagement für eine langfristige Partnerschaft zeigen.
OR: Was würden Sie Schulen raten, die weniger erfolgreich mit Unternehmen kooperieren?
Binner: In unserem IHK-Bereich wurde nur eine Kooperation abgebrochen, weil es Schwierigkeiten in der Anbahnungsphase gab. Falsch wäre es, Partnerschaftskonzepte „von der Stange“ anzubieten. Die Partner sollten selbst überlegen, ob sie eher mit einzelnen Projekten vertieft oder mit mehreren beginnen und gleich mehrere Lehrerinnen und Lehrer einbeziehen. Wird den Partnern das Kooperationskonzept übergestülpt, werden sich die Beteiligten darin nicht wieder finden und die Kooperation wird nicht von Dauer sein. Ein weiterer wichtiger Punkt sind feste Ansprechpartner, die die Partnerschaft zu ihrer Sache machen, aber gleichzeitig andere Beteiligte informieren, so dass sich eine Eigendynamik entwickeln kann.
OR: Was reizt Sie an der Zusammenarbeit mit Schulen?
Binner: Uns macht es sehr viel Spaß, mit den Schulen zusammenarbeiten, vor allem, wenn die Kooperationen eigendynamisch funktionieren.
OR: Wie zeichnet man gelungene Partnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen aus?
Binner: Die IHK Ostwestfalen verleiht keinen Kooperationspreis. Bei Auszeichnungen muss man einfühlsam vorgehen. Vielmehr laden wir alle unsere Partner ein, in regelmäßigen Abständen ihre Kooperation bei Zwischenbilanzen vorzustellen. Die IHK präsentiert dabei drei bis vier besonderes gelungene Beispiele. Allen anderen Kooperationspartnern geben wir Gelegenheit, ihre Kooperation in Schautafeln auszustellen. Dabei laden wir auch Schulen ein, die noch nicht gebunden sind, damit sie sich von den bestehenden Partnerschaften inspirieren lassen können.
RSS





