Unternehmen für Schulen

Vier Jugendliche die köpfe zusammengesteckt, fotografiert von unten, so dass sie ein Kreuz vor dem blauen Himmel bilden

Die Internetplattform „Unternehmen für Schulen“ bietet Unternehmen Anregungen und umfangreiche Hilfestellungen zu einem eigenen Engagement an Schulen in Nordrhein-Westfalen.

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Info kompakt

Titelbild der Wir-wollen-Broschüre Jugendliche mit einem Betreuer um einen Roboterkäfer unter einer starken Lampe

Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."

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Karriere im Handwerk

Alexander Krott von der HWK Aachen

Man muss nicht studieren, um Karriere zu machen. Auch im Handwerk bieten sich immer mehr Chancen, beruflich voranzukommen. Alexander Krott, 47 Jahre, Existenzgründungsberater bei der Handwerkskammer Aachen (HWK Aachen) und Geschäftsführer des Arbeitskreises Junger Handwerksunternehmer (AJH), über gelungene Partnerschaften zwischen Handwerksbetrieben und Schulen und den Reiz von Existenzgründungen im Handwerk.


Online-Redaktion: Welche handwerklichen Berufe kooperieren in der Region Aachen besonders rege?

Krott: Tischler, Maler, Raumausstatter, Friseure und Damenschneider.

OR: Warum gerade diese?

Krott: Es handelt sich um Gewerke, die im Vorstand des Arbeitkreises Junger Handwerksunternehmer (AJH) vertreten sind. Daher haben wir den Schulen auch entsprechende Angebote unterbreitet. Außerdem sind diese Gewerke bei Schülerinnen und Schülern besonders beliebt.

OR: Mit welchen Berufen würden Sie darüber hinaus gerne kooperieren?

Krott: Wir wollen Metallbauer stärker in den Fokus der Schülerinnen und Schüler rücken – ferner Feinwerkmechaniker und Gesundheitsberufe, zum Beispiel Zahntechniker und Orthopädie-Schuhmacher.

OR: Wie viele Partnerschaften zwischen Schulen und Handwerksbetrieben gibt es in Aachen?

Krott: Die Kontakte sind vielfältig. Mit mehreren Schulen haben wir Kooperationsverträge unterzeichnet. Die Handwerksbetriebe stellen vor Ort ihr Gewerk vor, vermitteln Ansprechpartner für Praktika. Die Betriebsinhaber kommen selbst zu den Partnerschulen. Natürlich in der Hoffnung, dass geeignete Schüler später auf den Betrieb zukommen und eine Lehre dort absolvieren wollen. Man kennt sich dann ja schon: vom Schülertag, vom Praktikum. Und kann besser einschätzen, wer ein geeigneter Auszubildender sein könnte.

OR: Haben Sie ein Beispiel für eine besonders gelungene Partnerschaft zwischen Handwerksbetrieben und Schulen?

Krott: Der AJH Aachen veranstaltet einen zweitätigen Schülertag an zwei Hauptschulen aus Aachen. Unsere Handwerksbetriebe arbeiten seit längerem intensiv mit diesen Schulen zusammen. Aus der Veranstaltung hat sich bei Schülerinnen und Schülern der Wunsch nach Einzelberatungen ergeben. So ist einer unserer Raumausstatter zwecks Beratungsgesprächs erneut in die Schulen gegangen und hat detailliert über seinen Beruf gesprochen. Das ist äußerst gut angekommen. Mein Eindruck ist, dass sich Jugendliche immer mehr fürs Handwerk interessieren. Sie wissen, dass man auch hier Karriere machen kann, ohne studiert zu haben.

OR: Wo besteht bei Schulen, mit denen die HWK Aachen kooperiert, der meiste Beratungsbedarf?

Krott: Der größte Beratungsbedarf besteht bei den Anforderungen, die handwerkliche Berufe an die Schülerinnen und Schüler stellen. Sie sollten wissen, was für das jeweilige Gewerk entscheidend ist, in welchen Fächern sie gute Noten brauchen. Für eine Tischlerlehre benötigen Schülerinnen und Schüler etwa gute Noten in Mathematik. Allgemein sind Geschicklichkeit und ein Gespür fürs Handwerkliche vonnöten. Beim Handwerkertag mit unseren beiden Kooperationsschulen waren wir begeistert zu erleben, wie gut die Jugendlichen vorbereitet waren, welche Fragen sie gestellt haben.

OR: Was macht eine gute Partnerschaft zwischen Schulen und Handwerksbetrieben aus?

Krott: Die Tatsache, genau zu definieren, was Schülerinnen und Schüler brauchen, ihre Anforderungen an die Handwerksbetriebe und Handwerker, die gerne mit jungen Leuten in Kontakt treten. Sie kriegen auch viel zurück. Es ist interessant, die Denkweise der Schülerinnen und Schüler zu erleben.

OR: Sie beraten auch Handwerker, die sich selbstständig machen wollen. Inwieweit können Sie schon Auszubildenden raten, sich später einmal selbstständig zu machen?

Krott: In unseren Bildungsstätten weisen wir die Jugendlichen regelmäßig darauf hin, welche Chancen es für sie gibt, einschließlich der späteren Selbstständigkeit. Wir haben Ausbildungsberater, die auch Karrierewege im Handwerk aufzeigen.

OR: Welche Eigenschaften brauchen Jugendliche, um sich erfolgreich selbstständig zu machen?

Krott: Die Fähigkeit zuzuhören, Kritikfähigkeit und Ausdauer. Denn Kunden üben immer wieder Kritik an der Arbeit, ob berechtigt oder nicht. Den damit verbundenen Druck muss man als Selbstständiger aushalten. Eine junge Dame beispielsweise macht derzeit eine Lehre als Friseurin. Sie ist handwerklich geschickt, hat gute Schulnoten und auch ihr Elternhaus steht hinter ihrer Ausbildung. Was kann ich denn später noch machen, fragte sie mich? Sie können nach der bestandenen Gesellenprüfung die Meisterschule besuchen und sich dann noch zum Betriebswirt im Handwerk fortbilden. Damit sind Sie gut gewappnet für die eigene Selbstständigkeit.

OR: Worin liegt in Ihren Augen der Reiz der Selbstständigkeit und wie kann man sie Jugendlichen näher bringen?

Krott: Der Reiz der Selbstständigkeit besteht für mich darin, Ideen der Kunden umzusetzen. Ein Kunde hat ein Problem – ich als Selbstständiger kann ihm dabei helfen, es zu lösen. Es ist immer aufs Neue eine Herausforderung, den Auftrag so zu realisieren, dass der Kunde zu 100 Prozent zufrieden ist. Serviceorientierung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, also die Darstellung des Handwerksbetriebes nach außen, haben an Bedeutung stark zugenommen.