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Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."
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Bildung hat Priorität
Bildung hat Priorität für die Stadt Münster – das gilt auch für Partnerschaften zwischen Schule und Wirtschaft. Im Interview spricht Oberbürgermeister Markus Lewe, 44 Jahre, über Unterschiede zwischen Kooperationen Schule-Wirtschaft damals und heute und über die Bedeutung des Faktors Bildung in seinem Alltag als Oberbürgermeister.
Online-Redaktion: Ihre ehemalige Schule, das Ratsgymnasium Münster, kooperiert unter anderem mit Industriebetrieben. Wie haben Sie als Schüler Kooperationen Ihres Gymnasiums damals erlebt?
Markus Lewe: Früher gab es an unserer Schule wenige Kooperationen. Es gab auch bei uns einfache Kooperationsformen, bei denen es darum ging, Einblick in Industrie- und Wirtschaftsbetriebe zu bekommen, damit sich die Schülerinnen und Schüler das Arbeitsleben praktisch vorstellen konnten, beispielsweise Projektwochen und Lehreraustausch. Eine systematische Zusammenarbeit, wie sie sich heute entwickelt, gab es damals jedenfalls noch nicht.
OR: Was hat sich in Ihren Augen seither verändert?
Lewe: Eine ganze Menge, das erlebe ich täglich als Vater von fünf Kindern. Von daher habe ich einen Überblick über das, was sich in den letzten 18 Jahren verändert hat. Es gibt heute deutlich mehr praxisnahe Lerninhalte. Mein jüngster Sohn etwa besucht eine Schule, die eine Forscherwerkstatt errichtet hat, die unter anderem mit Mitteln der freien Wirtschaft gefördert wird.
OR: Wie ändert sich die Perspektive auf Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben, wenn man Oberbürgermeister ist?
Lewe: Das ganze Thema Bildung wird auf einmal zur Chefsache. Das gilt auch für die Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft. Ich nehme an Bildungskonferenzen teil und beteilige mich an Netzwerken zwischen Schule und Wirtschaft. Ich arbeite mit an Steuerungsinstrumenten, die die Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft in Münster verbessern: Instrumente der Analyse – welche Kooperationen und Kooperationsformen gegenwärtig vorzufinden sind. Und Instrumente der strategischen Planung, die es uns ermöglichen, nicht nur für die Dauer von Kommunalwahlperioden zu planen, sondern darüber hinaus herauszufinden, welche Anforderungen in den nächsten 10, 15 bis 20 Jahren auf uns zukommen. Das betrifft Aspekte, wie den demografischen Wandel, die Anforderungen an unterschiedliche Berufsfelder und auch die strategische Ausrichtung der Unternehmen in Münster und dem Münsterland, insbesondere technischer Unternehmen. Wir müssen vorausschauend denken und rechtzeitig dazu beitragen, Fachkräfte zu gewinnen und Forscher und Wissenschaftler, die bereit sind hier oder in anderen Städten zu arbeiten.
Eine weitere, ganz wichtige kommunale Aufgabe, gerade in meiner Funktion als Oberbürgermeister der Stadt Münster, ist die Verbesserung der Situation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. In diesen Menschen stecken unglaublich viele Potenziale, die gerade bei Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft geweckt werden können – und müssen. Hieran wird auch die Wirtschaft partizipieren.
OR: Wenn Sie als Oberbürgermeister mit Managern und Unternehmern über Schulen sprechen, welche Themen werden in diesen Gesprächen besonders häufig aufgegriffen?
Lewe: Vor einigen Jahren drehten sich die Gesprächsthemen noch sehr stark um harte Standortfaktoren, wie beispielsweise Autobahnanschlüsse und die Modernisierung des Flughafens – die sind nach wie vor aktuell. Der Faktor Bildung spielt mittlerweile in allen Gesprächen mit Unternehmern eine herausragende Rolle. Wie kann die Stadt Münster kreative Menschen dazu bewegen, hier leben zu bleiben oder auch hier hinziehen zu wollen? Herausragende Themen sind: Ganztagsbetreuung, Formen individueller Förderung, Stärkung der Persönlichkeit, bilingualer Unterricht, Internationalisierung unserer globalen Stadt, in der sich die Schulen im Unterricht für die Welt öffnen. Auch hierbei kommt der Integrationsgedanke wieder zum Tragen. Wenn das Bildungsumfeld stimmig ist und Schulen in der Lage sind, sich den wandelnden Anforderungen zu stellen, dann können wir auch umfassend hoch qualifizierte Fachkräfte gewinnen.
OR: Bildung und Wissenschaft – der wichtigste Wirtschaftszweig in Münster. Was bedeutet das konkret für die Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben, wenn es nicht nur um städtische Betriebe Ihrer Stadt geht?
Lewe: Wir haben durch unsere vielen Einrichtungen in Forschung und Lehre sehr viele Berührungspunkte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Wir bauen ganz gezielt wissenschaftliche Erkenntnisse in die Schulpraxis ein. Wissenschaft spielt bereits in Kindertagesstätten, Grundschulen und allen weiteren Schulen eine Rolle. Nehmen Sie zum Beispiel das Projekt „Labor im Koffer“ oder die Kinderuniversität der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Hierbei handelt es sich auch um Projekte, die in Kooperation mit der Wirtschaft gefördert werden oder sogar in Kooperation mit der Wirtschaft durchgeführt werden. Letztlich treibt uns der Wettbewerb um die klugen Köpfe. Das ist keine rein kommunale Aufgabe, sondern sie findet immer auch in Kooperation mit der Wirtschaft statt. All das ist bildet die Grundlage dafür, dass die Stadt Münter sich als Wissenschaftsstadt definiert.
OR: Fördert die Stadt Münster selbst Kooperationen? Und wenn ja wie?
Lewe: Ein aktuelles Thema der Kooperation mit der Wirtschaft ist der Jahrgang 2013. Dadurch, dass Schülerinnen und Schüler, die ihr Abitur nach zwölf beziehungsweise nach dreizehn Jahren absolvieren, die Schule dann gleichzeitig verlassen werden, wird es ein Überangebot auf dem Ausbildungsmarkt geben. Meine Sorge als Oberbürgermeister ist, dass es zu Verdrängungskämpfen kommen könnte und die Abiturienten die Haupt- und Realschüler verdrängen. Deswegen ist es wesentlich, die Wirtschaft als Kooperationspartner zu gewinnen und Maßnahmen zu verabreden, damit eventuelle Folgen abgedämpft werden können und niemand unter dieser Situation leiden muss.
Oberbürgermeister der Stadt Münster
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