Unternehmen für Schulen

Vier Jugendliche die köpfe zusammengesteckt, fotografiert von unten, so dass sie ein Kreuz vor dem blauen Himmel bilden

Die Internetplattform „Unternehmen für Schulen“ bietet Unternehmen Anregungen und umfangreiche Hilfestellungen zu einem eigenen Engagement an Schulen in Nordrhein-Westfalen.

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Info kompakt

Titelbild der Wir-wollen-Broschüre Jugendliche mit einem Betreuer um einen Roboterkäfer unter einer starken Lampe

Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."

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Stadt Hagen: Weg frei für Partnerschaften

Michaela Trzecinksi mit Schülerinnen und Schülern der Hauptschule Vorhalle anlässlich der Aktion „SchulWerk - Schule trifft Handwerk“

Durch Lernpartnerschaften bekommen Jugendliche Einblicke in Berufe, die sie zuvor allenfalls vom Hörensagen kannten. Den Weg frei für Partnerschaften zwischen Handwerksbetrieben und Schulen macht auch die Stadt Hagen. Michaela Trzecinski von der „agentur mark“, einer Tochter der Stadt Hagen, spricht über ausgezeichnete Lernpartnerschaften, den Übergang von der Schule in den Handwerksberuf und darüber, unter welchen Voraussetzungen sich Mädchen jenseits von Rollenklischees für „Männerberufe“ interessieren.

Online-Redaktion:
Die „agentur mark“ verbindet Akteure und Kompetenzen. Wie geht das genau vor sich?

Trzecinski: Vor zwei Jahren haben wir das Projekt „Schulwerk – Schule trifft Handwerk“, ein Kooperationsprojekt mit der Kreishandwerkerschaft Hagen, auf den Weg gebracht. Bereits nach der ersten Pressevorstellung ist die Schneidermeisterin Inge Szoltysik-Sparrer auf uns mit der Bitte zugekommen, einen Kontakt zu einer Schule herzustellen, mit der sie enger zusammenarbeiten könnte. Wir schauten dann zunächst, welche Schulen es in der Nähe des Betriebes gibt, damit Jugendlichen auch die Chance haben, den Betrieb zu besichtigen.

In der Nähe lag die Hagener Hauptschule Hohenlimburg. Zuerst war Szoltysik-Sparrer skeptisch, hatten ihre bisherigen Auszubildenden doch alle Abitur. Aber sie wollte sich das einmal anschauen. Nach Gesprächen mit der Leitung der Hauptschule kamen wir überein, eine Theater-AG an der Schule zu unterstützen. Schließlich werden hier auch Bühnenbilder und Kostüme hergestellt. Aus der ursprünglichen Unterstützung der Theater-AG ist mittlerweile eine eigenständige Handarbeits-AG entstanden, die von einer Auszubildenden des Modeateliers Szoltysik-Sparrer begleitet wird, die schon vom Alter her recht nah an den Jugendlichen dran ist. Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an der Schneiderei wurde damit geweckt. Und den Schülerinnen und Schülern ist darüber hinaus klar geworden, dass es noch weitere interessante Handwerksberufe gibt.

OR: Sie haben das Modeatelier Szoltysik-Sparrer mit seiner Partnerschaft zum Unternehmenspreis 2010 angemeldet. Was haben Sie sich davon versprochen?

Trzecinski: Wir waren beeindruckt vom enormen Engagement eines so kleinen Handwerksbetriebes. Denn selbst große Betriebe tun sich manchmal schwer, Ausbilder für eine Lernpartnerschaft abzustellen. Dabei hat die Schneidermeisterin eher wenig vom Engagement, da sie den Nachwuchs für ihren Betrieb bisher nicht aus der Hauptschule Hohenlimburg rekrutiert. Sie will mit ihrem Engagement das Schneiderhandwerk als solches in der Stadt Hagen nach vorne bringen.

OR: Was hat die Auszeichnung mit dem Unternehmenspreis 2010 bewirkt?

Trzecinski: Das war für alle, das Modeatelier Szoltysik-Sparrer, die Hautpschule Hohenlimburg und die „agentur mark“ eine ganz große Sache – und kam überraschend. Durch die Auszeichnung der Lernpartnerschaft konnte Inge Szoltysik-Sparrer das Schneiderhandwerk in der Stadt gut vermarkten. Sie hat ein viel größeres Publikum als zuvor gewonnen, um für das Gewerk Mode- und Damenschneiderei zu werben.

Unterricht mit Auszubildender des Modeateliers Szoltysik-Sparrer

OR: Was sind die Grundpfeiler des Erfolgs bei Lernpartnerschaften?

Trzecinski: Das Engagement des Betriebes – die Offenheit der Schule. Zuzulassen, dass jemand von außen hereinkommt und andere Arbeitsweisen einführt, als sie Lehrerinnen und Lehrer kennen.

Gerade zu Beginn war die Begleitung der Lernpartnerschaft durch die „agentur mark“ sehr wichtig. Es hat eine Zeit gedauert, bis sich die beiden Partner gefunden hatten und einander vertrauten. Wir konnten uns immer wieder einschalten, wenn wir merkten, dass die Zusammenarbeit mal nicht hundertprozentig funktionierte. Missverständnisse gibt es einfach immer: Handwerksbetriebe leben in einer anderen Welt als Schulen. Schule ist auch ein Betrieb, aber er funktioniert eben ganz anders.

OR: Handwerksbetriebe sind vielfach kleine Betriebe, die nicht so viel Zeit mitbringen, Partnerschaften aufzubauen und zu pflegen. Wozu brauchen sie vermittelnde Institutionen wie die „agentur mark“ noch?

Trzecinski: Mit dem demografischen Wandel gehen den Betrieben die Auszubildenden aus. Gewerke in Hagen, beispielsweise Maurer und Gebäudereiniger, finden praktisch keinen Nachwuchs mehr. Vor diesem Hintergrund sind Handwerksbetriebe darauf angewiesen, in die Schulen zu gehen, um diese und andere Berufe bekannter zu machen, damit Jugendliche ein Interesse aufbauen, sich dort zu bewerben.

OR: Jungen und Mädchen zieht es noch immer in klassische Ausbildungsberufe. Jungen wollen nach wie vor Kfz-Mechatroniker werden und Mädchen weiterhin Friseurin. Was können Lernpartnerschaften dem entgegensetzen?

Trzecinski: Viele verschiedene Handwerksberufe kennenzulernen. Wenn Jungen und Mädchen sehen, was hinter den Gewerken steckt, und sich weniger von Rollenklischees leiten lassen, wird das Interesse von selbst geweckt. So lernen Mädchen über Lernpartnerschaften etwa den Beruf des Malers und Lackierers kennen und entdecken, dass er gestalterische und kreative Aspekte beinhaltet, die ihnen bislang verborgen waren.

Außerdem führt das Hagener Handwerk einmal im Jahr einen Berufsparcours durch. Hier werden alle Neuntklässler und Neuntklässlerinnen der Stadt durchgeschleust. Beim Parcours können sie ausprobieren, was die unterschiedlichen Handwerksberufe konkret ausmacht: Der Raumausstatter bringt einen Stuhl mit, der ausgepolstert werden kann. Der Zahntechniker stellt ein Gebiss vor und die Jugendlichen können testen, wie es ist, damit zu arbeiten. Der Tischler lässt Mädchen an Werkbänken feilen, hobeln und stanzen. Mädchen, die zuerst mit Zurückhaltung reagieren, werden neugierig auf unbekannte Berufe. Auf einmal interessieren sich Mädchen für Maler und Lackierer, für Heizung und Sanitär, und Jungen erwärmen sich für den Beruf des Zahntechnikers oder des Augenoptikers.

OR: Was treibt Sie an, an der Schnittstelle zwischen Betrieben und Schulen tätig zu werden?

Trzecinski: Heute war ich mit dem Ausbildungsmanager des Projektes Schulwerk an einer Hagener Hauptschule und habe freie Ausbildungsplätze im Handwerk vorgestellt. Ich kam mit den Hauptschülerinnen und -schülern ins Gespräch und sah, wie gut sie drauf sind, wie fit sie sind – und das vor dem Hintergrund, dass Hauptschule vielfach als untergehende Schule dargestellt wird. Manche von den Jugendlichen haben in Mathematik vielleicht nur eine Vier. Wenn man sie trotzdem in einem Handwerksbetrieb unterbringt, hat man ihnen unter Umständen die Zukunft geöffnet. Das macht Spaß.

Die „agentur mark“ GmbH ist eine Tochter der Stadt Hagen und dafür verantwortlich, dass die Übergänge von den weiterführenden Schulen in eine Berufstätigkeit gelingen. Die Agentur hat das JOBSTARTER-Projekt „Schulwerk – Schule trifft Handwerk“ gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Hagen initiiert. Das Projekt hat zum Ziel, Kooperation und Kommunikation zwischen Schulen und Handwerksbetrieben zu verbessern und die Übergangsquote in Ausbildung zu erhöhen. Neben dem Marketing für Handwerksberufe, die bei den Schülerinnen und Schülern nicht immer zu den beliebtesten gehören, und der Akquise von zusätzlichen Ausbildungsplätzen mit passgenauer Besetzung, haben sich die Projektpartner vorgenommen, alle Hagener Schulen mit Ausnahme der Gymnasien mit einer Lernpartnerschaft zu Handwerksbetrieben zu versorgen. Derzeit gibt es 18 Lernpartnerschaften, durch die schätzungsweise 800 bis 900 Schülerinnen und Schüler erreicht werden.