Titel

10. September 2010 - 2/2010

Klare Signale senden!

Körpersprache ist ein wichtiges Kommunikationsmittel, gerade für Lehrer. Warum das so ist, vermag die Hirnforschung zu erklären.

Die ersten, oft schon entscheidenden Fehler macht so mancher Lehrer noch vor Unterrichtsbeginn. Er reißt entschlossen die Tür auf und begrüßt die Klasse, während er zum Pult schreitet. Vorne angekommen, lässt er die Arme baumeln, legt die Hände übereinander, will sofort zur Sache kommen – und wundert sich über die Unruhe, die unter den Schülern herrscht. Kein Wunder, meint Klaus Krebs. So könne der Start in die Stunde auch nicht gelingen. Krebs muss es wissen: Der Diplom-Psychologe leitet Seminare der Cornelsen- Akademie für Lehrerinnen und Lehrer in Sachen Körpersprache.

Richtig: Krebs steht auf und macht vor, wie's besser geht: Er verschwindet hinter der Tür und öffnet diese – mit einem Lächeln. "Wenn ich mich mental auf die Situation vorbereite und die Schüler in Gedanken durchgehe, kann ich entspannter in den Unterricht gehen", erklärt er. Zweiter Punkt: "Begrüßen Sie niemals die Klasse beim Reingehen." Die Hektik der Bewegung übertrage sich auf die Klasse. Besser: Gelassen nach vorne gehen, sich aufstellen, eine ruhige Position einnehmen – und bei der Begrüßung die Hände auseinander nehmen. "Damit spreche ich alle an", erläutert Krebs. Gefaltete Hände vor dem Schritt signalisieren dagegen: Die empfindlichsten Stellen benötigen Schutz.

Körpersprache, so betont der Fachmann, ist ein überaus mächtiges Kommunikationsmittel, deutlich wirksamer als etwa die Stimme oder der Inhalt. Warum das so ist, erklärt die Hirnforschung unter anderem mit sogenannten Spiegelneuronen. Diese speziellen Nervenzellen lassen uns Gefühle und Stimmungen anderer Menschen erfassen. Spiegelneuronen reagieren nicht nur, wenn wir selbst Leid, Schmerz oder Freude erfahren. Wie Gitarrensaiten, die durch die Schwingung einer Nachbarsaite selbst in Bewegung geraten, werden sie auch dann aktiv, wenn wir diese Empfindungen bei jemand anderem wahrnehmen. Bevorzugtes Kommunikationsmittel hierfür seit den frühesten Tagen der Menschheit: Gestik und Mimik – Körpersprache eben. Diese zu beherrschen, sei für Menschen in Kommunikationsberufen – wie Lehrer – unabdingbar, so betont Psychologe Krebs. Die Grundlagen ließen sich leicht lernen, und das in kurzer Zeit. Üben könne man vor dem Spiegel.

Richtig:Nicht wenige Pädagogen haben das offenbar nötig. "Viele haben Angst vor der eigenen Wirkung. Ihnen fällt es schwer, vor eine Klasse zu treten und die Hände auseinander zu nehmen", weiß Krebs. Solche schüchternen Kollegen scheuten es, im Mittelpunkt zu stehen, sofort die Blicke aller Schüler auf sich zu ziehen. Aber ohne das gehe es nun mal nicht. "Wenn der Lehrer die Führungsrolle nicht übernimmt, dann übernehmen sie die Schüler", meint Krebs. Dann gebe es Lehrer, die ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Störer in der Klasse richteten. Und aus den Schutzgesten ("alle Signale, die über Kreuz gehen") gar nicht mehr herauskämen. Auch dies mit Folgen: Psychologische Tests hätten ergeben, dass ein Zuhörer von einem Vortragenden mehr als ein Drittel weniger Informationen aufnehme, wenn dieser mit gekreuzten Armen vor ihm stehe.

Richtig:

Schließlich gebe es Lehrer, die sich körpersprachlich selbst konterkarierten. Krebs: "Sie machen einen Vorschlag und schütteln dabei ihren Kopf. Darin drückt sich eine unbewusste Angst vor Ablehnung aus." Tatsächlich erreicht ein Pädagoge damit vor allem eines: Kein Schüler wird auf seinen Vorschlag eingehen. Schon gar nicht, wenn der Lehrer beim Vortrag seine Hände geschlossen hält. "Das ist ein uralter Instinkt", erklärt der Psychologe. "Geschlossene Hände signalisieren meinem Gegenüber: Er hat etwas zu verbergen."

Richtig:Besser sei es, erst zu den Schülern und dann auf sich selbst zu weisen, um zunächst einmal eine Beziehung auszudrücken. Dann könne man die geöffnete Hand zeigen und den Vorschlag unterbreiten. Nicht vergessen dabei: zustimmend nicken. "Ich ermuntere Lehrer, ihren Stoff auf diese Art gleich zu bewerten. Sie können den Schülern zeigen: Was ich sage, ist wichtig, ist toll." Aber riecht das nicht nach Manipulation? Ist es lauter, mit solchen Tricks unterschwellige Botschaften zu senden? Manipulation, so antwortet Krebs, wäre eine Beeinflussung zum Nachteil der Schüler. Hier gehe es aber darum, zum Vorteil der Kinder und Jugendlichen zu arbeiten, und das nenne man: Erziehung.

Andrej Priboschek

Spiegelneuronen helfen beim Einfühlen

Spiegelneuronen sind daran beteiligt, dass Menschen sich in andere einfühlen und deren Absichten wahrnehmen können. Wissenschaftler beobachteten bei Autisten eine reduzierte Aktivität der Spiegelneuronen in mehreren Hirnarealen. Auch wenn diese Erkenntnisse nicht alle autistischen Symptome erklärten, helfen sie, Autismus schon im frühesten Kindesalter zu diagnostizieren. Gezielte Therapien können die Aktivität der Spiegelneuronen wiederherstellen und einige der Symptome abschwächen. Noch ist nicht geklärt, welche Faktoren die Entwicklung von Spiegelneuronen beeinträchtigen.

Klaus Krebs

Der Berliner Psychologe Kraus Krebs berät nicht nur Schulen, sondern auch Unternehmen. So vermittelt er Führungskräften Überzeugungsstrategien und Möglichkeiten zur Leistungssteigerung. Für die Cornelsen-Akademie leitet er im Herbst mehrere Körpersprache-Seminare in Köln; Plätze frei sind noch am 3. und 4. Dezember. Anfragen an: akademie@cornelsen.de

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