Die ersten, oft schon entscheidenden Fehler macht so mancher Lehrer noch vor Unterrichtsbeginn. Er reißt entschlossen die Tür auf und begrüßt die Klasse, während er zum Pult schreitet. Vorne angekommen, lässt er die Arme baumeln, legt die Hände übereinander, will sofort zur Sache kommen – und wundert sich über die Unruhe, die unter den Schülern herrscht. Kein Wunder, meint Klaus Krebs. So könne der Start in die Stunde auch nicht gelingen. Krebs muss es wissen: Der Diplom-Psychologe leitet Seminare der Cornelsen- Akademie für Lehrerinnen und Lehrer in Sachen Körpersprache.
Krebs steht auf und macht vor, wie's besser
geht: Er verschwindet hinter der Tür und öffnet diese
– mit einem Lächeln. "Wenn ich mich mental
auf die Situation vorbereite und die Schüler in Gedanken
durchgehe, kann ich entspannter in den
Unterricht gehen", erklärt er. Zweiter Punkt: "Begrüßen
Sie niemals die Klasse beim Reingehen."
Die Hektik der Bewegung übertrage sich auf die
Klasse. Besser: Gelassen nach vorne gehen, sich
aufstellen, eine ruhige Position einnehmen – und
bei der Begrüßung die Hände auseinander nehmen.
"Damit spreche ich alle an", erläutert Krebs.
Gefaltete Hände vor dem Schritt signalisieren
dagegen: Die empfindlichsten Stellen benötigen
Schutz.
Körpersprache, so betont der Fachmann, ist ein überaus mächtiges Kommunikationsmittel, deutlich wirksamer als etwa die Stimme oder der Inhalt. Warum das so ist, erklärt die Hirnforschung unter anderem mit sogenannten Spiegelneuronen. Diese speziellen Nervenzellen lassen uns Gefühle und Stimmungen anderer Menschen erfassen. Spiegelneuronen reagieren nicht nur, wenn wir selbst Leid, Schmerz oder Freude erfahren. Wie Gitarrensaiten, die durch die Schwingung einer Nachbarsaite selbst in Bewegung geraten, werden sie auch dann aktiv, wenn wir diese Empfindungen bei jemand anderem wahrnehmen. Bevorzugtes Kommunikationsmittel hierfür seit den frühesten Tagen der Menschheit: Gestik und Mimik – Körpersprache eben. Diese zu beherrschen, sei für Menschen in Kommunikationsberufen – wie Lehrer – unabdingbar, so betont Psychologe Krebs. Die Grundlagen ließen sich leicht lernen, und das in kurzer Zeit. Üben könne man vor dem Spiegel.
Nicht wenige Pädagogen haben das offenbar
nötig. "Viele haben Angst vor der eigenen Wirkung.
Ihnen fällt es schwer, vor eine Klasse zu treten
und die Hände auseinander zu nehmen", weiß
Krebs. Solche schüchternen Kollegen scheuten
es, im Mittelpunkt zu stehen, sofort die Blicke aller
Schüler auf sich zu ziehen. Aber ohne das gehe
es nun mal nicht. "Wenn der Lehrer die Führungsrolle
nicht übernimmt, dann übernehmen sie die
Schüler", meint Krebs. Dann gebe es Lehrer, die
ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Störer in
der Klasse richteten. Und aus den Schutzgesten
("alle Signale, die über Kreuz gehen") gar nicht
mehr herauskämen. Auch dies mit Folgen: Psychologische
Tests hätten ergeben, dass ein Zuhörer
von einem Vortragenden mehr als ein Drittel
weniger Informationen aufnehme, wenn dieser
mit gekreuzten Armen vor ihm stehe.

Schließlich gebe es Lehrer, die sich körpersprachlich selbst konterkarierten. Krebs: "Sie machen einen Vorschlag und schütteln dabei ihren Kopf. Darin drückt sich eine unbewusste Angst vor Ablehnung aus." Tatsächlich erreicht ein Pädagoge damit vor allem eines: Kein Schüler wird auf seinen Vorschlag eingehen. Schon gar nicht, wenn der Lehrer beim Vortrag seine Hände geschlossen hält. "Das ist ein uralter Instinkt", erklärt der Psychologe. "Geschlossene Hände signalisieren meinem Gegenüber: Er hat etwas zu verbergen."
Besser sei es, erst zu den Schülern und dann
auf sich selbst zu weisen, um zunächst einmal
eine Beziehung auszudrücken. Dann könne man
die geöffnete Hand zeigen und den Vorschlag unterbreiten.
Nicht vergessen dabei: zustimmend
nicken. "Ich ermuntere Lehrer, ihren Stoff auf diese
Art gleich zu bewerten. Sie können den Schülern
zeigen: Was ich sage, ist wichtig, ist toll."
Aber riecht das nicht nach Manipulation? Ist es
lauter, mit solchen Tricks unterschwellige Botschaften
zu senden? Manipulation, so antwortet
Krebs, wäre eine Beeinflussung zum Nachteil der
Schüler. Hier gehe es aber darum, zum Vorteil
der Kinder und Jugendlichen zu arbeiten, und
das nenne man: Erziehung.
Andrej Priboschek
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