Unterricht

21. Dezember 2011 - 4/2011

»Zeitung ist doch Kult«

Zeitungsprojekte an Schulen liegen voll im Trend. Neben den verlagseigenen Projekten gibt es in NRW die Initiative "ZeitungsZeit" mit 860 teilnehmenden Schulen.

Die Arbeit mit Tageszeitungen

Von wegen Generation Internet: Für Patricia Queiku (13) und Ece Aydemir (15) ist die Homepage des Kölner Stadtanzeigers (KStA) Neuland. Die beiden müssen sich erst einmal orientieren: Online sieht der KStA ganz anders aus als gedruckt. Patricia will in der Navigationsleiste der Seite auf die Rubrik Panorama klicken. Doch als sie auf die Maus drückt, geschieht – nichts. Der Internetanschluss hängt etwas. 1:0 für die Papierausgabe.

Die Arbeit mit Tageszeitungen ...

Die knapp 30 Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse am Maximilian- Kolbe-Gymnasium in Köln sollen die Online-Ausgabe des KStA mit der Papierausgabe vergleichen. Was fällt auf ? Wo gibt es Unterschiede? Bei der bundesweit größten Zeitungsinitiative "ZeitungsZeit NRW – Selbstständigkeit macht Schule" kommt es vornehmlich darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler die Zeitung als Nachrichtenquelle kennenlernen, insbesondere für Wirtschafts- und Ausbildungsthemen. "Zeitungs-Zeit NRW" ist eine Initiative der Landesregierung in Zusammenarbeit mit dem Zeitungsverlegerverband NRW, den nordrhein-westfälischen Zeitungsverlagen der Landesanstalt für Medien NRW und der ZeusMedienwelten/WAZ Mediengruppe. Finanziert wird sie durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), die Landesregierung NRW sowie die beteiligten Zeitungsverlage in Nordrhein-Westfalen, durchgeführt von der Stiftung Partner für Schule NRW.

Bis zu den Weihnachtsferien bekommt jede Schülerin und jeder Schüler täglich den KStA. NRW-weit sind es 50.000 Jugendliche, in Köln allein machen 84 Klassen mit. Unter dem Titel "Meine eigene Zeitung" können die Schülerinnen und Schüler sogar die letzten vier Wochen im Rahmen der drei Projektmonate zu Hause am Frühstückstisch ein eigenes Exemplar lesen. Neben der Initiative "ZeitungsZeit" bieten viele regionale Zeitungen auch eigene Projekte an, beim Kölner Stadtanzeiger etwa das Projekt "ZiSch – Zeitung in der Schule". "Unser Problem ist, dass wir als Zeitung nicht mehr wie selbstverständlich Bestandteil eines jungen Familienhaushalts sind", sagt Ingmar Keller, Leiter der Bezirksredaktionen des KStA. Deshalb sei es wichtig, junge Menschen möglichst früh mit Zeitung in Kontakt zu bringen.

"Jeder aus der Klasse hat sich im Projekt ein Oberthema wie etwa Arbeitsmarkt, Doping im Sport oder Musikszene in Köln ausgesucht und nutzt die Zeitung, um Informationen zu diesem Thema zu finden", erklärt Lehrer Benjamin Mönning (31), der das Projekt an der Schule betreut. Das bedeutet für die Schülerinnen und Schüler: Artikel ausschneiden, bewerten, sammeln und selber kleine Texte dazu verfassen. Patricia und Ece haben derweilen auf der Homepage des KStA die Nachrichtenvideos entdeckt. "Cool", rufen sie nahezu aus einem Mund. Die beiden finden immer mehr Gefallen an der Online-Ausgabe. Ihr Fazit beim Vergleich von Online und Print fällt dann aber doch recht eindeutig aus. "Ich glaube, dass es auch noch in zehn Jahren eine Zeitung aus Papier geben wird", so die 13-Jährige. "Zeitung ist doch Kult."

MARC RASCHKE

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