Leserbriefe
10. Dezember 2010 - 3/2010
Leserbrief zum Beitrag "Liebe unter Lehrern" in Heft Ausgabe 3 2010
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin regelmäßiger Leser Ihrer Zeitschrift und finde die Inhalte durchaus anregend.
Zu Ihrem Beitrag „Liebe unter Lehrern" möchte ich doch ein paar kritische Gedanken äußern. Das Positive einer Lehrerin-Lehrer-Beziehung ist zweifellos das Gehalt. Auch gleiche Ferienzeiten vermögen die Lebensplanung zu erleichtern.
Schule endet ja bekanntlich nicht mit dem Gongschlag der letzten Stunde. Der Schulalltag wird mit nach Hause genommen. Dort ist „Schule" auch bis in die Abendstunden das Gesprächsthema. Sind beide Lehrer in derselben Schule und womöglich noch in denselben Klassen eingesetzt, dann reden sie bis spät in die Nacht noch von „Kevin" und „Chantal". Die eigenen Kinder in solchen Familien müssen zwangsläufig den Eindruck bekommen, dass es außerhalb der Schule keine andere Realität gibt.
In vielen Schulformen gibt es Beförderungsstellen und Funktionen mit einer gewissen Weisungsvollmacht. Glauben Sie wirklich, dass sich Herr Müller von seiner Studiendirektorin Frau Müller etwas sagen lässt?
Ich weiß nicht, wie stabil Lehrerehen sind. Es ist aber davon auszugehen, dass das Scheidungsrisiko das gleiche ist wie in der übrigen Bevölkerung. Wie geht der Partner (die Partnerin) damit um, wenn sich die andere Seite bereits anderweitig orientiert hat? Es liegt nahe, dass der neue Partner (die neue Partnerin) womöglich in demselben Kollegium tätig ist. Das Positive daran liegt doch nur in dem Unterhaltungswert. Endlich ist an der Schule mal etwas los. Auch die Schüler finden das sehr aufregend. Man stelle sich die Vorbereitungen zu einem Weihnachtskonzert vor, wenn Chorleiterin und Orchesterleiter nur noch über Anwälte verkehren.
Es scheint unvermeidlich zu sein, dass Menschen entweder im Studium oder am Arbeitsplatz zueinander finden. An ein und derselben Schule sollten sie auf keinen Fall ihren gemeinsamen Arbeitsplatz haben. Die hier angeführten Gründe sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der komplexen Realität.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Günther Tappe
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