Leserbriefe
30. März 2011 - 1/2011
Forum Schule 1/2011
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr neues Heft habe ich wie immer aufmerksam gelesen und möchte Ihnen einige Bemerkungen und Fragen mitteilen:
Seite 2 – Cito –
Erst nach Recherche im Internet erkennt man, dass hier eine kommerzielle Firma Geld verdienen will. Die nicht gekennzeichnete Anzeige – oder ist das redaktionelle Werbung? - enthält keine Rechtsform der Firma und ist völlig undurchsichtig. Jeder Wettbewerber dieser Firma könnte Sie böse ärgern für diese Intransparenz, die wie eine Parteinahme daherkommt. Für Ihre ViSdP kann das teuer werden.
Hier finde ich dies vollkommen inakzeptabel.
Zum Editorial:
Sie prognostizieren, Inklusion und maximale individuelle Förderung gehöre bald zum Schulalltag. Sie wollen dazu „Impulse“ geben. Ich weise darauf hin, das diese massiven zusätzlichen Anforderungen aus der Sicht der Schulpraktiker wesentliche Investitionen in Mensch und Material, Personal und Gebäude erfordern. Ich stelle fest, dass dies auch bei Ihnen keinerlei Erwähnung findet. Das deutsche Schulsystem ist im internationalen Vergleich drastisch unterfinanziert. Ich kann persönlich diese Verbindung von Pseudo-Jovialität und Norm- und Druckerhöhung auf die „Frontsoldaten“ der institutionalisierten Bildung nicht mehr hören.
Gerade die Inklusion – wenn sie nicht nur ein Übersetzungsfehler aus dem englischen UN-Text ist – ist eine derart massive zusätzliche Belastung eines dafür nicht ausgelegten Systems Schule NRW, dass die Arbeitgeberseite bitte Modelle, Stellenbeschreibungen und finanzierte Konzepte vorlegen möge, wie das genau ablaufen soll.
Stellen Sie sich doch einmal vergleichsweise vor, Sie sollten Ihre Arbeit ab demnächst mit 10-20% zertifiziert behinderten Mitarbeitenden verrichten – bei gleichem Gehalt und gleichen Anforderungen an die Ergebnisse. Und – Sie dürfen diese Leute natürlich nicht selbst aussuchen. Verantwortlich für das Wohlergehen und die Arbeitsleistung dieser Leute sind Sie natürlich trotzdem.
Allgemein:
Die Preisträger-Projekte und „Leuchttürme“ genießen, wenn man die Eulogien (vulgo: Lobpreisungen) sehr genau studiert, immer Extrawürste und Bedingungen, die andere nicht haben. Hier würde die Forderung einer Gleichstellung der anderen Schule durch die Schulträger und das Land enorm helfen. Statt dessen wird systematisch an Lehrkräfte und Schulen vor Ort verwiesen. Scheinbar ist hier eine raffinierte Strategie der Vereinzelung von Verantwortung mit dem Ziel des Geldsparens vorhanden.
Die Wirksamkeit und Wahrnehmung einer solchen wie der vorliegenden Zeitschrift sollte ähnlich wie bei den entsprechenden Publikationen für Jugendliche und Randgruppen stärker an die Zielgruppe Lehrkräfte und deren Interessen angekoppelt werden – oder habe ich in dieser Hinsicht etwas ganz falsch verstanden?
Zu „gerechte Noten“ - in aller Kürze.
Hier – doch nicht nur hier – dominiert die phänomenologische Beschreibung von Einzelfällen ohne systematische Nennung der Rahmenbedingungen – oder sagt man gleich moderner Journalismus? Ich gebe gerne zu, dass auch vielen Kolleg/innen an den Schulen die Rahmenbedingungen (Schulrecht und Kommentare) wohl wenig bekannt oder gar egal sind. Neben vielen Anregungen aus der Praxis fehlt im Artikel vollkommen der Bezug auf die Prüfungs- und Ausbildungsordnungen. Dort ist vieles festgeschrieben, so das Verhältnis schriftliche und sonstige Leistungen und auch die Pflicht, die Grundlagen der Leistungsbewertung festzulegen und bekannt zu geben. Dass dies nicht allzu detailliert erfolgen darf, folgt aus der Pädagogischen Freiheit (Ermessensspielraum) der einzelnen Lehrkraft gemäß Dienstordnung. Dort ist der Raum für Einzelfallentscheidungen vorhanden und darf auch nicht vollkommen eingeengt werden. Parallele gleiche Klassenarbeiten täuschen mehr Vergleichbarkeit vor, als sie tatsächlich schaffen. Schließlich kann man auch die Interaktion in den Klassen nicht normieren. Ein Punktesystem als Verpflichtung für alle Lehrkräfte wie beschrieben darf also die Einzellehrkraft nicht allzu sehr einschränken.
Auch bei der Punktevergabe bleibt im übrigen Raum für Diskussionen oder Ermessen.
Schließlich geht es um Menschen.
Bitte verstehen Sie meine Äußerungen aus meinen Erfahrungen und meiner Sorge um die Sache – mit vollmundigen Versprechungen ist niemendem geholfen, wenn sie nicht umsetzbar sind.
Guido Bley
Lieber Herr Bley,
vielen Dank für Ihren Leserbrief, der deutlich macht, wie intensiv Sie sich mit der jüngsten Ausgabe von Forum Schule beschäftigt haben. Das freut uns sehr. Ein Hinweis zu Ihren Ausführungen sei mir erlaubt. Sie kritisieren, dass die Anzeige auf der Seite 2 nicht als solche gekennzeichnet sei. Das muss sie auch nicht - wenn deutlich erkennbar ist, dass es sich nicht um einen redaktionellen Text handelt. Und das ist deutlich erkennbar: Schriftbild und Gestaltung heben sich von den redaktionellen Inhalten im Heft ab, und das Logo des Anzeigenkunden samt Firmenslogan prangt über dem Anzeigentext.
Das Geld, das Forum Schule mit Anzeigen einnimmt, fließt voll und ganz ins Heft. Die Einnahmen erlauben es uns, den Leserinnen und Lesern Journalismus zum Thema Bildung in hoher Qualität anzubieten. Das heißt konkret: Redaktionelle Beiträge von Forum Schule sind nicht käuflich. Es gibt keine Vermischung von redaktioneller Arbeit und Anzeigengeschäft. Informationen, die ins Heft gelangen, wurden zuvor von der Redaktion mit der gebotenen Sorgfalt geprüft. Quellen werden stets genannt, Meinung und Bericht voneinander getrennt.
Im Internet gibt es zahlreiche Informationsangebote für Lehrer, bei denen diese Qualitätsstandards nicht gewährleistet sind. Forum Schule ist hingegen eine seriöse Quelle, die auch in wissenschaftlichen Publikationen zitiert wird. Dies bitte ich zu berücksichtigen.
Viele Grüße
Andrej Priboschek
Redaktionsleiter
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