Leserbriefe
30. März 2011 - 1/2011
Leserbrief zur Meldung „Privatschulen nicht besser“, Forum Schule 1/2011
Lieber Herr Priboschek,
hier also mein Leserbrief zur Meldung „Privatschulen nicht besser“, Forum Schule 1/2011, S. 17:
Die Veröffentlichung von Manfred Weiß legt keine neuen Befunde vor, sondern wiederholt Positionen, die er seit zehn Jahren referiert. Und das sind überwiegend Ressentiments gegenüber den Schulen in freier Trägerschaft. Nicht nachvollziehbar ist, dass die Finanzierungsproblematik heruntergespielt wird. In nahezu jedem Bundesland (Ausnahmen unter anderem: Brandenburg und Nordrhein-Westfalen) steht die von den freien Schulträgern zu kompensierende durchschnittliche Finanzierungslücke von rechnerisch 1.700 Euro je Schüler im Widerspruch zur verfassungsrechtlich hinnehmbaren Grenze des von den Eltern aufzubringenden Schulgeldes. Wird die Höhe der staatlichen Finanzhilfe an einer betriebswirtschaftlichen Schülerkostenrechnung bemessen, dann decken die bereitgestellten Regelsätze je Schüler an einer Privatschule nur etwa 50 Prozent bis 60 Prozent der tatsächlichen schulbetrieblichen Vollkosten ab. Beispielsweise werden in Nordrhein-Westfalen von der Kameralistik jährliche Ausgaben je Schüler an staatlichen Schulen in Höhe von 2.185 Euro nicht erfasst. Die empirische Bildungsforschung weist nach, dass Schulen in freier Trägerschaft (mindestens) genauso leistungsstark wie staatliche Schulen sind, doch produzieren diese ihren Erfolg zu einem günstigeren Preis – und dies trotz administrativer Widrigkeiten. Die meisten staatlichen Schulen wären unter solchen Bedingungen längst nicht mehr funktionsfähig. So gesehen, ist gerade angesichts der staatlichen Unterfinanzierung von Privatschulen der gute Ruf der freien Schulträger gerechtfertigt.
Beste Grüße
Helmut E. Klein
Schulische Bildung
Projektleiter Alphabetisierung und Grundbildung
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
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