Forschung

21. Dezember 2011 - 4/2011

Weniger sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen zeigt: Die Anzeigenbereitschaft der Opfer hat sich erhöht.

Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen 20 Jahren offenbar deutlich zurückgegangen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN).

Die Mehrzahl
der Opfer von
sexuellem
Missbrauch
ist weiblich.

So haben 8,0 Prozent der heute 31- bis 40-jährigen Frauen bis zu ihrem 16. Lebensjahr mindestens eine Missbrauchserfahrung mit Körperkontakt erlebt, die 21- bis 30-jährigen Frauen zu 6,4 Prozent, die 16- bis 20-jährigen Frauen dagegen nur zu 2,4 Prozent. Bei den Männern lauten die Vergleichsquoten 1,8 Prozent, 1,1 Prozent und 0,6 Prozent. Im Durchschnitt sind es aktuell 6,4 Prozent der Frauen und 1,3 Prozent der Männer, die bis zum Alter von 16 Jahren missbraucht wurden. Nicht einbezogen sind dabei allerdings Opfer von Exhibitionismus.

Mehrere Gründe sieht das KFN als ursächlich für den Rückgang an: Die Anzeigenbereitschaft der Opfer habe sich deutlich erhöht. Zudem hätten sich die öffentliche Aufmerksamkeit und die Anteilnahme für die Leiden der Betroffenen im Lauf der vergangenen drei Jahrzehnte deutlich erhöht. Darüber hinaus stellten Vernachlässigung und körperliche Misshandlung von Kindern einen Risikofaktor für sexuellen Missbrauch dar. Vor allem Väter, die ihre Kinder massiv schlagen, sind den Befunden zufolge nicht selten auch Missbrauchstäter. "Aus verschiedenen Studien ist bekannt, dass die innerfamiliäre Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in den letzten zwölf Jahren deutlich abgenommen hat", heißt es in der Studie. Es spreche viel dafür, dass die Einführung des Gewaltschutzgesetztes 2002 sowie die Anfang 2000 in Kraft getretene Abschaffung des elterlichen Züchtigungsrechtes dazu beigetragen hat.

"Der Großteil der Missbrauchstäter mit Körperkontakt stammt aus dem engen Familienkreis oder ist den Betroffenen bekannt", wissen die Forscher. Nur in knapp jedem vierten Fall handele es sich bei den Tätern um männliche unbekannte Personen. Rund zwei Prozent der weiblichen Betroffenen und 17 Prozent der männlichen berichten von weiblichen Tätern.

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