Forschung
31. Oktober 2011 - 3/2011
Ein guter Lehrer braucht Herz und Verstand
Forscher der Universität Karlsruhe fanden heraus: Vor allem Soft Skills bringen Lehrerfolge.
Was macht einen guten Lehrer aus? Die Forschungsstelle
"Lehrerberufseignung" an der Universität
Karlsruhe hat dies untersucht. Das Ergebnis:
Um in ihrem Beruf erfolgreich zu sein, müssen
Pädagogen vor allem über sogenannte Soft Skills,
wie Empathiefähigkeit, emotionale Belastbarkeit,
Humor und Improvisationsgeschick verfügen. Das
Team um Professor Johann Beichel, Leiter des Projekts
sowie des Landeslehrerprüfungsamts am Regierungspräsidium
in Karlsruhe, entwickelt derzeit
ein konsensfähiges Lehrerleitbild – und darauf
aufbauend ein neues Prüfverfahren zur Berufseignung
von Lehrern. "In den Staatsprüfungen werden
bisher überwiegend fachliche Kompetenzen
der Pädagogen abgefragt", erklärt Beichel. Die Forschungsstelle
aber fand heraus: Den Lehr- und Erziehungserfolg
bedingen vor allem die Soft Skills.
In Zukunft soll daher nach Ansicht der Wissenschaftler
nicht nur das Fachwissen, sondern ebenso
die überfachliche Eignung für den Kommunikations-
und Beziehungsberuf Lehrer geprüft
werden. Dabei gelte es auch, die spezifischen Anforderungen
der verschiedenen Schularten und
-profile zu berücksichtigen.
Um das überprüfbar zu machen, könne die Zweite Staatsprüfung ein Jahr später und damit erst an der Schule, an der der Lehrer unterrichten wird, stattfinden. Auch die jeweiligen Schulleitungen sollten eng eingebunden werden. Zudem müsse die Art der Beobachtung insgesamt verändert werden, sagt Beichel.
Die Lehrproben fänden zurzeit "fast unter Laborbedingungen" statt. Tatsächlich aber gelte es, das Handeln des Prüflings nicht nur punktuell, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg und in der realen Lehrpraxis zu beobachten. "Denn erst dann agiert der Lehrer wirklich selbstständig vor einer Klasse, muss sich bewähren und mit der Gesamtsituation umgehen können." Die wichtigen Schlüsselkompetenzen und Eignungsaspekte seien auch nur dann tatsächlich prüfbar. Das neue Verfahren soll möglichst zeitnah in Baden- Württemberg eingesetzt werden.
JULIA HEER
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