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Hausaufgaben in den Ohren

Digitale Medien im Fremdsprachenunterricht

Was sonst den Unterricht stört, kann auch eine echte Bereicherung sein: Podcasts machen Schülern Lust auf Fremdsprachen.

Mädchen mit IPodDie Lehrpläne für die Fremdsprachen betonen beim Spracherwerb das Hörverstehen. Weil ein Schulbuch da nicht immer weiterhilft, bieten Verlage zu ihren Lehrwerken die passenden Audio-CDs oder DVDs gleich mit an. Wem das nicht reicht oder wer die Kosten scheut, der findet auch im Internet authentisches Hörmaterial für den Fremdsprachenunterricht in Hülle und Fülle. Die Internetseiten französischer oder englischer Fernseh- und Radiostationen, beispielsweise von FRI oder BBC, bieten in ihren Archiven zu den Audiodateien den schriftlichen Text zum Mitlesen. Ausgewählte Beiträge sind sogar didaktisch aufbereitet.

An der Aussprache wird intensiv gefeilt

Was für das Hören gut ist, kann für das Sprechen nicht verkehrt sein. Warum sollten Schülerinnen und Schüler selbstgesprochene fremdsprachliche Texte nicht als Audio- oder Videodateien aufnehmen? Sebastian Dorok jedenfalls, Englischlehrer am Gymnasium Antonianum in Geseke, hat damit gute Erfahrungen gemacht: „Podcast, Vodcast, Voicemail sind eine Bereicherung für den Fremdsprachenunterricht.“ Der überwiegende Teil seiner Schülerinnen und Schüler zeigte nach einigen „gesprochenen Hausaufgaben“ mehr „Spaß an korrekter Aussprache“. Dorok ermutigt auf seiner Internetseite (www.schulpodcast.info) zur Nachahmung. Unterrichtsideen und Hilfestellung zur Produktion von Podcasts gibt’s gleich dazu.

Auch Karsten Schillies von der Hardenberg Hauptschule in Mettmann beobachtet, wie engagiert Schülerinnen und Schüler bei der Sache sind, wenn sie ihre Podcasts für das Internet aufbereiten. Anders als in der direkten, flüchtigen Kommunikation wird für die Aufnahmen intensiv an Formulierungen und an der Aussprache gefeilt. Schillies: „Wenn Schüler ihre Fehler hören, wollen sie diese unbedingt ausbügeln. Dann wird eine Aufnahme so lange wiederholt, bis es passt.“ Die digitale Technik erleichtert nachträgliche Verbesserungen und mit der kostenlosen Open-Source-Software Audacity sind zusätzliche Tonspuren mit Geräuschen oder Musik ein Kinderspiel. Die Besucher der Website (http://hardenberg.podspot.de) belohnen die Arbeit mit Kommentaren wie „cool“, „nice work“  oder „weiter so“.

Vielleicht sind Podcasts ja auch ein wirksames Mittel gegen die laut DESI-Studie zu geringen Sprechanteile einzelner Schülerinnen und Schüler im Englischunterricht. Schillies: „Wenn die Schüler im Unterricht Lehrbuchtexte und Arbeitsergebnisse mit ihrem Handy oder MP3-Spieler aufnehmen, ist der Aufwand klein, der Motivationseffekt jedoch sehr groß.“

Dazu wirkt sich diese Methode auch auf die Unterrichtsatmosphäre aus. Bei Aufnahmen einzelner Schüler während einer Stillarbeitsphase arbeiten in Schillies Klasse alle anderen tatsächlich leise. „Beim ersten Mal ging’s daneben. Dann merkten alle, wie störend die Hintergrundgeräusche für die Aufnahme sind. Jetzt nehmen alle Rücksicht und profitieren zusätzlich von der ruhigen Arbeitsatmosphäre“, freut sich Schillies.

Bernd Baumgart

Podcast

Der Begriff Podcast setzt sich aus den beiden Wörtern iPod und Broadcast zusammen. Podcasting bezeichnet das Produzieren von Audio- bzw. Videodateien und deren Verbreitung über das Internet. Mehr Informationen zum Thema bietet das Internetangebot der Medienberatung NRW (www.medienberatung.nrw.de) unter den Menüpunkten „Schule“ > „Leben mit Medien“. Auf der gleichen Internetseite unter dem Menüpunkt „Publikationen“ > „Schriften“ beschreibt die Beratungshilfe zum Lernmittelkonzept Englisch, wie Podcasts und weitere digitale Medien den Englischunterricht unterstützen.

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