Die Schüler sollen von den Reformen profitieren: Seit Veröffentlichung der ersten PISA-Studie 2000 hat sich in deutschen Klassenzimmern eine Menge verändert
Der sogenannte PISA-Schock zeigt Wirkung: Mittlerweile haben alle 16 Bundesländer ihre Schulgesetze und ihre Schulpolitik modernisiert. In Schulnoten ausgedrückt reichen die Verbesserungen insgesamt betrachtet von „gut“ bis „befriedigend“, so die Studie „Politik-Check Schule“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.
Das Land Nordrhein-Westfalen erreicht im Durchschnitt aller fünf untersuchten Reformbereiche eine glatte 2 und ist damit Spitzenreiter einer Gruppe von fünf Bundesländern: Neben Nordrhein-Westfalen sind das Berlin, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern, die alle ein glattes „gut“ erhalten.
Nordrhein-Westfalen punktet durch eine weit überdurchschnittliche Reform- und Innovationstätigkeit. Die Ergebnisse im Einzelnen. Im Qualitätsbereich „Bildungspolitische Ziele“ gibt es ein glattes „sehr gut“ für die gesetzliche Verankerung der individuellen Förderung sowie für den Umgang mit Zeitressourcen (Vermeidung von Sitzenbleiben, frühe und flexible Einschulung, Verkürzung der gymnasialen Schulzeit). Sehr positiv werden auch die Maßnahmen zur Qualitätssicherung (Qualitätsanalyse, Lernstandserhebungen, zentrale Abschlussprüfungen) bewertet.
Im Bereich „Systemmanagement“ erreicht Nordrhein-Westfalen für die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Schulen die Note 2. Ebenfalls eine 2 gibt es im Bereich „Lehren und Lernen“ für die Umsetzung und Einführung von Bildungsstandards und Kernlehrplänen. Entwicklungsbedarf wird allerdings bei der Förderung von Lernschwachen und der integrativen sonderpädagogischen Förderung gesehen. Im Bereich „Schulkultur“ erhält Nordrhein-Westfalen für sein ambitioniertes Ganztagsschulprogramm mit offenen Angeboten eine 3. Bei der Zahl von Ganztagsschulen mit verpflichtendem Angebot sollte das Land noch weiter zulegen.
„Unsere Studie belegt, dass alle Landesregierungen die aus Expertensicht notwendigen bildungspolitischen Ziele in ihren Schulgesetzen inzwischen klar formuliert haben“, kommentierte IW-Direktor Hüther die Ergebnisse des „Politik-Checks Schule“.
Der „Politik-Check Schule“ im Internet
www.insm-bildungsmonitor.de
Homepage der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
www.insm.de
Homepage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die die Studie für die INSM durchgeführt hat
www.iwkoeln.de
Bis zu 1,2 Milliarden Euro werden jährlich bundesweit auf dem Nachhilfemarkt umgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt der Bildungsökonom Dieter Dohmen in einer Studie für das Bundesbildungsministerium. Rund 3.000 kommerzielle Anbieter gibt es mittlerweile, die Zahl der privat geleisteten Nachbarschaftshilfe ist nicht zu beziffern. Die Kosten für Eltern sind enorm. Zwischen 1.200 und 1.750 Euro müssen sie durchschnittlich bezahlen, wenn ihr Kind ein Jahr lang vier Stunden die Woche ein Nachhilfeinstitut besuchen. Jedes dritte bis vierte Kind hat im Laufe seiner Schulkarriere ein kommerzielles Nachhilfeinstitut besucht. Am meisten nachgefragt sind die Fächer Mathematik, Englisch und Deutsch. Viele Schulen haben bereits reagiert und beispielsweise Schüler-helfen-Schülern-Programme eingeführt.
Dieter Dohmen, Annegret Erbes, Kathrin Fuchs, Juliane Günzel: Was wissen wir über Nachhilfe? Sachstand und Auswertung der Forschungsliteratur zu Angebot, Nachfrage und Wirkungen. Berlin 2008.
Die Nachhilfe Studie kostenlos im Internet
www.bmbf.de/pub/sachstand_nachhilfe.pdf
Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
www.bmbf.de
Homepage des Gutachten des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS), das das Gutachten für das Bundesbildungsministerium durchgeführt hat
www.fibs.eu
Der Gesundheitszustand der Schülerinnen und Schüler in Deutschland hat sich verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der neuen Untersuchung Health Behavior in School-aged Children (HBSC). Demnach leidet jede fünfte Schülerin und jeder fünfte Schüler zwischen 11 und 16 Jahren unter Schulstress. Vor vier Jahren lag der Wert noch unter 20 Prozent. Vor allem Mädchen klagen über Beschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Ähnlich besorgniserregend ist der Wert bei Mobbing. Mehr als ein Drittel der Befragten hat hierzu bereits negative Erfahrungen gemacht.
Überraschend ist der Befund, dass das Schulklima besser bewertet wird als in der Vorgängerstudie vier Jahre zuvor. Faktoren wie Mitgestaltung, Unterrichtsgestaltung, Hilfe durch den Lehrer wurden positiver bewertet. Die Macher der Studie ziehen daraus folgenden Schluss: Die Ursachen für die Zunahme psychosomatischer Beschwerden sind eher im familiären und gesellschaftlichen Umfeld zu suchen.
Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) in Deutschland
www.hbsc-germany.de
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
www.who.int
Unter den Neunt- und Zehntklässlern hat sich der Anteil der Biertrinker von 2003 bis 2007 von 56 auf 67 Prozent erhöht. Auch der Konsum von harten Spirituosen, der in dieser Altersgruppe eigentlich noch verboten ist, ist von 53 auf 57 Prozent angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD), an der sich seit 1995 alle vier Jahre über 30 europäische Länder mit Unterstützung des Europarats beteiligen.
Die Untersuchung hat aber auch Positives zu vermelden: So ist der Anteil der Tabakkonsumenten unter den Schülern von rund 47 auf 37 Prozent gesunken. Einen Grund zur Entwarnung gibt es allerdings nicht. Denn gleichzeitig zeigt der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts in Berlin, dass der Einstieg in eine Raucherkarriere immer noch früh beginnt. Jeder fünft Junge und jedes fünfte Mädchen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren greift zur Zigarette. Das Einstiegsalter liegt bei durchschnittlich 14 Jahren. Knapp 2 Prozent beider Geschlechter rauchen bereits mit 12 Jahren.
Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)
www.kiggs.de
Robert-Koch-Institut
www.rki.de